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Obst und Gemüse im Korb

Gemüse statt Solarium

Ein getöntes Gesicht gilt gemeinhin als gesund und attraktiv. Man muss dafür weder in die Sonne noch ins Solarium gehen, wie eine aktuelle Studie nahelegt. Man sollte besser eine Portion Obst oder Gemüse mehr essen.

Ernährung 09.03.2012

Gesunde Farbstoffe

Carotinoide sind natürliche, rötliche bis gelbliche Farbpigmente, die für die Färbung von zahlreichen Obst- und Gemüsesorten verantwortlich sind. Ihre extrem färbende Wirkung wird auch gezielt eingesetzt, z.B. in der Futtermittelindustrie. Durch den Zusatz erhält etwa Zuchtlachs seine schöne orange Farbe und Eidotter werden gelber. Auch Flamingos verdanken den Pigmenten ihr rosarotes Federkleid. Bräunungstabletten, die für einen getönten Teint sorgen sollen, enthalten meist ß-Carotin, ebenfalls ein Carotinoid.

Aber auch im menschlichen Körper spielen die Farbstoffe eine wichtige Rolle. Sie wirken antioxidativ. Daher gelten sie auch als sogenannte Radikalfänger. Sie machen die hochreaktiven und aggressiven Stoffwechselprodukte unschädlich, welche für Alterungs- und Krankheitsprozesse im menschlichen Organismus verantwortlich sein sollen. Besonders für die Hautgesundheit sind Carotinoide sehr wichtig, denn sie schützen vor Sonnenlicht.

Um den permanenten Abbau auszugleichen, müssen sie laufend über die Nahrung zugeführt werden - einer der Gründe, warum der regelmäßige Konsum von Obst und Gemüse nach Ansicht der meisten Experten so wichtig ist.

Gesunder Teint

Laut den Forschern um Ross D. Whitehead von der schottischen University of St. Andrews sind Carotinoide vermutlich auch die Ursache dafür, dass getönte Gesichter in der Regel attraktiver wirken - die Tönung ist ein Signal für Gesundheit. Sie spricht für eine gute Versorgung mit den wichtigen Pflanzenstoffen. Studien aus der Tierwelt sprechen für diesen Zusammenhang, eine entsprechende Pigmentierung ist unter anderem bei manchen Fischen und Vögeln entscheidend in der Partnerwahl.

Es ist also zu erwarten, dass ein hoher Konsum an Carotinoiden beim Menschen ebenfalls sichtbar sein muss, wie auch frühere Untersuchungen nahelegen. In ihrem aktuellen Experiment haben die Forscher nun untersucht, ob und wie sich die Gesichtsfarbe in Abhängigkeit von der Nahrung innerhalb von sechs Wochen ändert.

36 weiße Probanden, die bisher im Durchschnitt ca. vier Portionen Obst oder Gemüse zu sich genommen hatten, mussten über einen Zeitraum von sechs Wochen über ihre tägliche Nahrungszufuhr Buch führen. Sie durften weder von der Sonne noch vom Solarium gebräunt sein und bei der zweimaligen Messung der Gesichtsfarbe - einmal nach drei und einmal nach sechs Wochen - kein Make-Up tragen.

Es zeigte sich, dass veränderte Essgewohnheiten tatsächlich auch die Gesichtsfarbe veränderten. D.h., die Gesichter jener Teilnehmer, die im Zeitraum des Experiments mehr Früchte und Obst zu sich genommen hatten, waren etwas röter bzw. gelber geworden.

Gemüse macht schön

Den Forschern zufolge sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Carotinoide für diese Tönung verantwortlich, denn Veränderungen in der Reflexion der Haut waren bei jenen Wellenlängen am stärksten, bei welchen das Licht durch diese Pigmente absorbiert wird. Der rötliche Ton werde vor allem durch Lycopin, das bspw. in Tomaten oder Paprika vorkommt, verursacht, das Gelb durch ß-Carotin. Auch Polyphenole könnten zur Tönung beitragen, indem sie zusätzlich die Durchblutung anregen.

Mit einem weiteren Experiment untersuchten die Wissenschaftler, ob die leicht rötliche oder gelbliche Tönung, wie sie durch den Gemüse- und Obstkonsum hervorgerufen wird, auf andere attraktiver wirkt. Dafür verwendeten sie manipulierte Fotos. Die Teilnehmer bewerteten die leicht gefärbten Gesichter in der Regel tatsächlich als attraktiver und gesünder; schon kleinste farbliche Veränderungen führten zur Aufwertung.

Fazit: Mehr Obst und Gemüse essen ist nicht nur gesund, es macht auch schöner. Schon eine Portion mehr pro Tag führt den Forschern zufolge zu sichtbaren Veränderungen. Ob dieser Effekt auch bei Menschen anderer Hautfarbe eintritt, müsse in weiteren Studien noch untersucht werden.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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