Standort: science.ORF.at / Meldung: "Sonnensturm trifft die Erde"

Sonnensturm

Sonnensturm trifft die Erde

Die Erde wird heute von einem der stärksten Sonnenstürme der vergangenen Jahre getroffen. Er ist Experten zufolge deutlich stärker als der Sturm, der die Erde Ende Jänner erreicht hat.

Weltraumwetter 08.03.2012

Bisher keine Schäden

Der Sturm soll noch den ganzen Tag andauern. Über dem Norden Europas könnten am Abend bunte Polarlichter zu sehen sein. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge stehen die Chancen dafür zumindest nördlich der Mittelgebirge "gar nicht schlecht".

Ein relativ schwacher Sturm sei schon am Mittwochabend messbar gewesen, sagte Paolo Ferri vom Raumflugkontrollzentrum ESOC der Europäischen Raumfahrtagentur. "Wir haben jetzt Warnungen vor einem Sturm, der am Abend kommen soll." Erwartet werde, dass dieser fünffach stärker ausfalle. Bisher seien keine Schäden an Satelliten bekannt, sensible Geräte seien vorsichtshalber schon am Mittwoch abgeschaltet worden. Schwierig sei es derzeit, die Lageregelung der Raumsonde "Venus Express" zu kontrollieren.

An der Erde vorbei

Die Eruption in der Nacht auf Mittwoch sei in der linken Sonnenhälfte gelegen, der Hauptsturm fliege deshalb wohl links an der Erde vorbei, sagte Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. "Er wird uns also vermutlich nicht voll treffen." Der Sturm im Jänner habe die Erde rechts passiert. Das Gebiet auf der Sonne, in dem die aktuelle Eruption erfolgte, sei aber weiter aktiv. Es liege jetzt etwa auf der Sonnenmitte - am Wochenende sei deshalb die Wahrscheinlichkeit für gewaltige Sonnenstürme, die die Erde direkt treffen, am höchsten.

Sie könnten zum Ausfall von Flügen und Stromnetzen führen - und die Satelliten in der Erdumlaufbahn beeinträchtigen. "Es gibt zwei Probleme mit den Satelliten", sagte Ferri. Manche Satelliten wie das Weltraumteleskop "Integral" hätten sensible Geräte an Bord, die mit Hochspannung arbeiteten. "Und die reagiert sofort und sehr dramatisch." Die Geräte würden deshalb bei einer Sonnensturmwarnung sofort abgeschaltet. "Das haben wir gestern schon gemacht mit 'Integral'." Die Vorhersage von Sonnenstürmen, die auf die Erde zurasen, habe sich in den vergangenen Jahren sehr verbessert - und die Gefahr für Schäden an Satelliten damit verringert.

Das schlimmste Problem sei ohnehin ein anderes, erläuterte Ferri. Die Lage mancher Satelliten werde über spezielle Sternensensoren gesteuert. "Diese Sternensensoren werden praktisch blind, wenn dieser Sturm geladener Partikel kommt. Im Moment erleben wir das bei 'Venus Express'." Die Raumsonde fliege um die Venus, die Intensität des Sonnensturms sei dort noch stärker. Ausweichend könnten Radiosignale zur Lagesteuerung genutzt werden - das sei aber sehr aufwendig und nicht so präzise.

Noch stärkere Stürme erwartet

Für Mitte 2013 rechnen Experten mit einem Maximum der Sonnenaktivität - aus ihren Außenschichten werden dann besonders oft große Gaswolken ins All geschleudert. Die Aktivität schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren und nimmt seit 2010 wieder zu. Der aktuelle Sturm ist laut NASA der zweitstärkste des aktuellen Sonnenzyklus. In den nächsten eineinhalb Jahren wird es wohl noch mehrere Sonnenstürme geben, die stärker werden. Wie viele es sein werden, kann nicht vorhergesagt werden.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema:

Sonnensturm reißt Elektronen ins All
Sonnensturm blieb nahezu folgenlos
Stärkster Sonnensturm seit 2003 erreicht Erde