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Obama bei einer Rede, zeigt auf die Zuhörer

Tiefe Stimmen bevorzugt

Politische Wahlen werden nicht nur durch Ideologie und Parteinahme beeinflusst. Eine Studie zeigt: Kandidaten und Kandidatinnen mit tiefen Stimmen kommen bei der Wählerschaft besser an.

Politik 14.03.2012

Während in den USA die Republikaner nach einem geeigneten Präsidentschaftskandidaten suchen und Präsident Obama fleißig Spenden sammelt, berichten drei US-Forscher von einem Erfolgsfaktor, der die Wahlkampfstrategen beider Parteien interessieren könnte: die Stimme der Kandidaten.

"Wir bilden uns häufig Urteile über Kandidaten, ohne Genaueres über ihre politischen Positionen zu kennen. Unsere Studie könnte erklären, warum das so ist", sagt die Rindy Anderson, Biologin an der Duke University. "Unsere Stimme transportiert mehr Informationen als die Wörter, die wir sprechen."

"I urge you to vote for me"

Dass die Höhe respektive Tiefe der Stimme die Attraktivität beeinflusst, ist in der Anthropologie an sich nichts Neues. Männer mit tieferen Stimmen werden laut Studien als anziehend, physisch stark und sozial dominant wahrgenommen. Bei Frauen ist die Sachlage etwas komplizierter: Hohe Stimmen gelten einerseits als attraktiv, andererseits scheinen sie der sozialen Dominanz abträglich zu sein.

Die Studie

"Sounds like a winner: Voice pitch influences perception of leadership capacity in both men and women", Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences (doi: 10.1098/rspb.2012.0311).

Anderson hat nun mit der Biologin Susan Peters und dem Politikwissenschaftler Casey Klofstad die Stimme als Faktor politischer Wahlen untersucht. Die drei Forscher baten Frauen und Männer ins Labor, um folgenden Satz ins Mikrofon zu sprechen: "I urge you to vote for me this November" - "Ich bitte Sie mich im November zu wählen".

Daraus stellten die drei Forscher Varianten in höherer und tieferer Stimmlage her, die sie wiederum mehr als 150 Probanden vorspielten. Das Urteil war einhellig. Sowohl Frauen als auch Männer entschieden sich für die Kandidaten mit der tieferen Stimme. Eine zweite Testrunde legte Differenzen offen: Kandidatinnen mit sonorem Organ wurden sowohl von Frauen als auch von Männern als kompetenter, stärker und vertrauenswürdiger eingestuft.

Unterschiedliche Motive

Bei männlichen Kandidaten nahmen diese Zuschreibung nur Männer vor. Dass sich Probandinnen bei der "Wahl" im Labor dennoch für Männer mit der tiefen Stimme entschieden hätten, liege möglicherweise an der akustischen Attraktivität, schreiben Anderson und Co.

Politisch heikel ist die Frage, wie diese Studie angesichts des geringen Frauenanteils in politischen Führungspositionen zu werten ist, zumal ein direkter Vergleich zwischen Frauen und Männern nicht Gegenstand der Studie war.

Einerseits sei "Diskriminierung eine offensichtliche Ursache für die Unterrepräsentation von Frauen" in hohen politischen Ämtern, schrieben die drei in ihrer Arbeit. Andererseits mache es die höhere Lage der weiblichen Stimme "unwahrscheinlicher, solche Positionen einzunehmen", Womit sich die Autoren/innen auf beiden Seiten abgesichert haben und den Ball an politische Entscheidungsträger weiterspielen - vermutlich an solche mit tiefer Stimme.

Robert Czepel, science.ORF.at

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