Standort: science.ORF.at / Meldung: "Wundersame Heilung im Schlaf "

Kopf eines Schwarzbären

Wundersame Heilung im Schlaf

Während sich Bären im Winterschlaf befinden, zapft ihr Körper offenbar den molekularen Jungbrunnen an. Verletzungen verheilen ohne Infektionen oder Narben. Wie die Tiere das bewerkstelligen, ist unbekannt.

Bären 20.03.2012

Zoologen aus Minnesota und Wyoming verfolgen das Verhalten der ansässigen Schwarzbären seit 25 Jahren. Erst kürzlich fiel ihnen die außerordentliche Regenerationsfähigkeit der Tiere auf: Wie die US-Forscher im "Journal of Integrative Zoology" schreiben, hätten die Tiere vor dem Winterschlaf oft tiefe, entzündete Wunden, verursacht durch Schüsse von Jägern oder durch Kämpfe mit Artgenossen.

Doch ein paar Monate später seien diese regelmäßig verschwunden. Kaum Narben, keine auffälligen Spuren, nichts. Bemerkenswerter Weise nicht nur dann, wenn die Forscher die Wunde gesäubert und mit Antibiotika behandelt hatten. Die Heilung scheint von der medizinischen Versorgung gänzlich unabhängig gewesen zu sein. Experimente bestätigen das: David L. Garshelis von der University of Minnesota fügte 14 Bären zu Beginn ihres Winterschlafes kleine Hautschnitte zu. Im März, kurz vor dem Erwachen, waren sie verschwunden. "Das ist überraschend, denn während des Winterschlafes ist der Metabolismus verlangsamt", so Garshelis gegenüber der BBC.

Aus der Humanmedizin sei bekannt, dass mangelnde Energieversorgung und niedrige Körpertemperatur die Wundheilung hemmen, nicht fördern. Doch den Bären scheint der Sparflammenmodus nichts auszumachen. Garshelis: "Die Bären dämmern sechs Monate dahin und verlieren keine Muskel- oder Knochenmasse. Ich vermute, dass auch das eine spezielle Anpassung an den Winterschlaf ist." Sie gilt es nun zu analysieren. Die, wie es so schön heißt, "medizinischen Implikationen" sind naheliegend.

Robert Czepel, science.ORF.at

Mehr zu diesem Thema: