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Eine Frau schneuzt hinter einer Birkenblüte in ein Taschentuch.

Luftverschmutzung macht Allergene "giftiger"

Dass Umweltverschmutzung Allergien auslöst, wird vielfach angenommen, ist aber noch wenig erforscht. Salzburger Wissenschaftler haben nun einen möglichen Mechanismus entdeckt, wie durch Luftverschmutzung ein Allergen zum Super-Allergen wird.

Medizin 20.03.2012

"Wir wissen, dass Luftverschmutzung mit Ozon und Stickoxiden - typisch für Sommersmog - Proteine, auch Allergene, chemisch verändern kann", sagte der Leiter der Arbeitsgruppe, Albert Duschl, vom Schwerpunkt Biowissenschaften und Gesundheit der Uni Salzburg. "Ein Nitrat hängt sich an die Proteine an und beschädigt sie dadurch." In der neuen Studie wurde nun erstmals aufgezeigt, wie diese Veränderung durch Umweltverschmutzung die Allergie möglicherweise verstärkt.

Die Studie:

"Nitration of the Pollen Allergen Bet v 1.0101 Enhances the Presentation of Bet v 1-Derived Peptides by HLA-DR on Human Dendritic Cells" ist im Open-Access-Journal PLoS ONE erschienen (doi:10.1371/journal.pone.0031483).

Nitrierte Allergene "giftiger"

Die Forscher haben ein Allergen aus Birkenpollen verwendet und in nitrierter oder normaler Form zu Zellen des Immunsystems gegeben. Dabei zeigte sich, dass nitrierte Allergene wesentlich effizienter gespalten und an die Oberfläche der dendritischen Zellen (spezieller Zelltyp des Immunsystems, Anm.) befördert werden können - ein Prozess, der für die Immunaktivierung erforderlich ist und somit allergische Reaktionen hervorruft. Immunzellen von zehn Patienten mit Birkenpollenallergie zeigten in allen Fällen eine effektivere Spaltung des nitrierten Proteins, bei allen zehn Spendern wurden mehr unterschiedliche Teile des Proteins an die Oberfläche befördert.

Verschmutzte Stadtluft

Ö1-Sendungshinweis:

Über die beginnende Pollensaison berichtete auch "Wissen Aktuell" am 14. März 2012 um 13.55 Uhr.

Das heißt, dass bereits der allererste Kontakt des Allergens mit dem Immunsystem darüber entscheidet, ob es als Super-Allergen wahrgenommen wird. Durch die Nitrierung des Allergens wurde dessen feste Struktur gestört. Es entstand ein weniger stabiles Allergen, das von den Immunzellen wiederum leichter gespalten werden konnte. "Wir haben also gezeigt, dass die von uns veränderten Allergene wirklich stärkere Allergien auslösen", so Duschl.

"Da man in verschmutzter Stadtluft bereits nitriertes Allergen aus Birkenpollen nachgewiesen hat, haben die meisten von uns diese Substanz schon eingeatmet. Trotzdem wird nicht jeder allergisch dagegen, weil dafür zusätzliche Faktoren erforderlich sind. Luftverschmutzung spielt aber eine Rolle."

science.ORF.at/APA

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