Standort: science.ORF.at / Meldung: "Studenten bemängeln Qualität der Lehre"

Studenten sitzen im Hörsaal

Studenten bemängeln Qualität der Lehre

Österreichs Studierende sind unzufrieden mit ihren Lehrern. Eine repräsentative Befragung von mehr als 6.500 Universitäts- und Fachhochschulstudenten durch die ÖH zeigt: Während die fachlichen Kompetenzen der Lehrenden 90 Prozent als gut bewerten, halten 42 Prozent ihre didaktischen Fähigkeiten für mangelhaft.

Universitäten 21.03.2012

"Großen Handlungsbedarf" an den heimischen Hochschulen sieht die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) deshalb die Ergebnisse der SORA-Studie zum Thema "Qualität der Lehre" ab.

Verpflichtende Ausbildung …

Studie und Veranstaltung:

Die Studienergebnisse von "Qualität der Lehre" stehen auf den Webseiten der ÖH zum Download bereit. Die Abschlusspräsentation des "Forum Hochschule" findet am 28. März um 18 Uhr in der Aula der Akademie der Bildenden Künste Wien statt.

Kritikpunkte der Studenten reichen dabei von fehlendem Feedback über intransparente Leistungsbeurteilung bis zur nicht geglückten Wissensvermittlung und Motivation durch Lehrende über Lehrveranstaltungen hinaus. Nur ein Viertel der Studenten sehen demnach ihre Bedürfnisse und Interessen mehr oder weniger im Mittelpunkt der Lehre stehen.

Die ÖH, die die Studie in Auftrag gegeben hat, fordert infolgedessen einen Paradigmenwechsel in der Hochschuldidaktik hin zum "Student Centered Learning" und eine verpflichtende didaktische Aus- und Weiterbildung von Lehrenden.

Grafik über die Unzufriedenheit der Studenten was die Lehrenden betrifft

Grafik: APA, Quelle: APA/SORA/ÖH

… und neue Evaluierungen gefordert

Die Arbeitsgruppe zur "Qualität der Lehre" im Rahmen des "Forum Hochschule", dem "alternativen Hochschulplan" der ÖH, sieht dabei einen einsemestrigen Lehrgang vor, der entweder vor dem ersten Lehrauftrag oder begleitend zu diesem besucht werden muss.

Auch Fortbildungsmöglichkeiten sollen zu einer "studierendenzentrierten, interaktiven, problemlösungsorientierten, forschungsgeleiteten Didaktik" führen, so Koordinatorin Iris Schwarzenbacher (Verband Sozialistischer Student_innen, VSStÖ).

Lehrveranstaltungsevaluierungen, die laut dem stellvertretenden ÖH-Vorsitzenden Martin Schott (Fachschaftslisten, FLÖ) derzeit sehr intransparent durchgeführt werden, sollen ebenso Aufschluss darüber geben, ob bei einem Lehrenden zusätzliche Weiterbildung angebracht ist.

Mehr Flexibilität und neues Curriculum

Weitere Mängel macht die ÖH anhand der Studie bei der Flexibilität in der Studiengestaltung und unnötigen Verzögerungen im Studium fest: Nur jeder vierte Student gibt an, seinen Studienplan flexibel gestalten zu können; bereits jeder Zweite begegnet in seinem Studium Knock-Out-Prüfungen.

Ein geringes Angebot an Pflichtlehrveranstaltungen verlängert indes für 30 Prozent der Befragten das Studium, während es bei beinahe der Hälfte der Befragten (46 Prozent) zu Verzögerungen aufgrund von "Voraussetzungsketten" kommt - also wenn sie eine Lehrveranstaltung oder Prüfung absolvieren müssen, um danach eine andere belegen zu können.

"Das ist eine große Barriere, die nicht selten zum Studienabbruch führt", kritisiert Schwarzenbacher, die neben einer flexibleren Curricula-Struktur mit mehr Wahlmöglichkeiten auch eine neue Orientierungsphase fordert.

Rektorenchef: Kritik ist "unzulässig pauschal"

Als "unzulässig pauschal" bezeichnet Heinrich Schmidinger, Vorsitzender der Universitätenkonferenz (uniko), die Ergebnisse der ÖH-Studie. Die Kritik an den mangelhaften Didaktikfähigkeiten der Lehrenden werde "durch zahlreiche Beispiele" widerlegt - wie etwa an der Uni Salzburg, der er als Rektor vorsteht.

Neben einer Evaluierung von Lehrveranstaltungen und einem eigenen "Tag der Lehre" werde in Salzburg auch "seit zwei Semestern ein eigener Hochschuldidaktiklehrgang durchgeführt, der vom Lehrpersonal stark in Anspruch angenommen wird", so Schmidinger.

Es sei zwar "sehr zu begrüßen, dass die ÖH einen konstruktiven Beitrag zur Verbesserung und Weiterentwicklung des Hochschulsystems leisten will". Der uniko-Chef vermisst in den Studienergebnissen jedoch die Berücksichtigung der durch das "extrem liberale Studienrecht" entstehenden Probleme, die beim Uni-Zugang und der "weitgehenden Beliebigkeit beim Besuch von Lehrveranstaltungen" auch auf die Lehre ausstrahlen würden.

science.ORF.at/APA

Mehr zum Thema: