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Megalara garuda

Das Monster aus Sulawesi

Forscher haben auf der indonesischen Insel Sulawesi eine bislang unbekannte Wespenart in Rekordgröße entdeckt. Besonderes Kennzeichen: Kieferscheren, so lang wie Insektenbeine.

Riesenwespe 23.03.2012

Das Tier sieht aus, als wäre es dem Alptraum eines Insectophobikers entsprungen: sechs Zentimeter Körperlänge, pechschwarzer Chitinpanzer und dazu diese bizarr verlängerten Oberkiefer, Mandibel genannt. Ein Mordwerkzeug? Nein, sagt Michael Ohl von Museum für Naturkunde in Berlin im Gespräch mit science.ORF.at. Solche Mandibel besäßen nämlich nur die Männchen, die Weibchen seien in der Kieferregion - zumindest nach Wespenmaßstäben - normal gebaut. "Vermutlich besitzen die Männchen diese verlängerten Oberkiefer, um die Weibchen bei der Paarung festzuhalten."

Doppelentdeckung in Wald und Museum

Die Studie

"Megalara garuda, a new genus and species of larrine wasps from Indonesia (Larrinae, Crabronidae, Hymenoptera)", ZooKeys (Bd. 177; S. 49; doi: 10.3897/zookeys.177.2475).

Das Insekt wurde innerhalb kurzer Zeit zwei Mal entdeckt - einmal im Museum und einmal im Urwald. Ohl stieß letztes Jahr auf ein Exemplar dieser Art in der Sammlung des Berliner Naturkundemuseums, das offenbar bereits 1930 im Rahmen einer Expedition von Indonesien nach Deutschland gebracht worden war. "Einige Wochen später schickte mir meine Kollegin Lynn Kimsey Fotos einer Wespenart, die sie in Indonesien entdeckt hatte und nicht einordnen konnte. Ich sah mir die Bilder an und dachte: Was für ein Zufall - das ist die gleiche Art."

Großaufnahme von Megalara garuda

Lynn Kimsey, Michael Ohl

Mandibel Marke Megalara

Ursprünglich ordneten Ohl und seine US-amerikanische Kollegin die neue Spezies in die Gattung Dalara ein, später folgte der Widerruf. "Diese Art ist mit keiner anderen vergleichbar, sie ist so neuartig, dass sie eine eigene Gattung benötigt", sagt Ohl. Megalara garuda heißt sie nun, der Name ist übrigens eine Hommage an Kimseys Projektpartner aus Indonesien: "Garuda" ist ein Wesen aus der asiatischen Mythologie, ein geflügelter Götterbote, halb Tier halb Mensch. Nicht unwichtig offenbar, denn seine Gestalt wird in Indonesien und Thailand sogar in offiziellen Amtssiegeln verwendet.

Über die Biologie der Riesenwespe ist noch nichts bekannt, bislang haben die Forscher nur tote Exemplare zu Gesicht bekommen. Entomologen fangen ihre Studienobjekte nämlich längst nicht mehr mit dem Kescher, wie das in den romantischen Zeiten der Naturkunde üblich gewesen sein mag. Heutzutage verwenden sie sogenannte Zeltfallen, die gefangene Insekten automatisch in mit Alkohol gefüllte Behälter überführen. Morphologische Studien lassen sich mit solcherart konservierten Tieren bestens betreiben. Zu Verhaltensfragen geben sie naturgemäß keine Auskunft mehr.

Robert Czepel, science.ORF.at

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