Standort: science.ORF.at / Meldung: "Der Mond, ein geochemischer Erdzwilling"

Der Mond auf wolkenlosem Nachthimmel.

Der Mond, ein geochemischer Erdzwilling

Der Mond besteht zum großen Teil aus Material der Erde. Was ein US-Schweizer Forscherteam nun aus der Analyse von Gestein herausgefunden hat, bringt das gängige Modell der Mondentstehung in Bedrängnis. Demzufolge ist unser Trabant durch die Kollision eines marsgroßen Objekts namens Theia mit der jungen Erde entstanden.

Astronomie 26.03.2012

Die Studie:

"The proto-Earth as a significant source of lunar material" von Junjun Zhang und Kollegen ist in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 26.3., 13:55 Uhr.

Die Forschergruppe um Junjun Zhang von der Universität Chicago hatte die Häufigkeit zweier Varianten (Isotope) des Metalls Titan in Mondproben untersucht. Dabei zeigte sich, dass das Verhältnis von Titan-50 zu Titan-47 im Mondgestein um nicht mehr als 0,0004 Prozent von der Verteilung in der Erdkruste abweicht. Das ist überraschend, denn die Isotopenhäufigkeiten schwanken im Sonnensystem sonst bis zu hundertmal so stark.

Wenn der Mond wie angenommen durch einen Einschlag entstanden ist, sollte er zu mindestens 40 Prozent aus dem Material von Theia bestehen, und seine Isotopenverhältnisse sollten sich deutlich von den irdischen unterscheiden. Denn es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass Theia exakt dieselbe chemische Zusammensetzung besaß wie die Erde.

Stärkere Vermischung?

Die Untersuchung ist nicht der erste Hinweis auf die geochemische Ähnlichkeit zwischen Erde und Mond: Auch bei Sauerstoff, Silizium, Chrom und Wolfram gleichen sich die Isotopenverhältnisse, wie Matthias Meier von der schwedischen Universität Lund in einem Begleitartikel in "Nature Geoscience" betont.

Die Werte der drei letzteren Elemente ließen sich jedoch mit der Einschlagstheorie in Einklang bringen, wenn Theia eine ähnliche Zusammensetzung gehabt habe wie der Mars. Das Isotopenverhältnis des Sauerstoffs sei auf diese Weise allerdings nicht zu erklären. Sauerstoff ist jedoch ein flüchtiges Element, und mit der aktuellen Analyse wollte die Gruppe um Zhang testen, ob es sich bei beständigeren Stoffen ebenso verhält.

Möglicherweise habe sich das Material von Theia viel stärker mit dem der jungen Erde gemischt als bestehende Simulationen es ergeben, schreibt Meier.

science.ORF.at/dpa

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