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Pille neben den Blättern einer Pflanze

Ein Jungbrunnen in Pillenform

Rapamycin kann das Leben von Mäusen um etwa zehn Prozent verlängern, wie eine aufsehenerregende Studie vor drei Jahren festgestellt hat. Leider hat der Naturstoff unerwünschte Nebenwirkungen. Diese versuchen Forscher nun zu eliminieren und wecken damit neue Hoffnungen auf einen Jungbrunnen in Pillenform.

Anti-Aging 02.04.2012

Wege zur "ewigen Jugend"

Auch wenn unter dem Schlagwort Anti-Aging heute allerlei angeboten wird, gibt es nicht sehr vieles, das den Alterungsprozess erwiesenermaßen hinauszögert bzw. das Leben verlängert. Zu den wenigen wirksamen Methoden zählt die Kalorienreduktion. Wer hungert, ohne auf wichtige Nährstoffe zu verzichten, lebt länger und bleibt dabei gesund, wie zahlreiche Studien an Fruchtfliegen, Würmern und Mäusen nahelegen.

Angesichts des Überflusses, in dem wir heute leben, scheitern allerdings viele an dieser harten Methode, mag der Traum von einem längeren Leben auch noch so groß sein. Seit Jahren wird daher intensiv geforscht, was beim Fasten auf molekularer Ebene passiert. Das Ziel sind Medikamente, die uns ohne quälende Diät zur "ewigen Jugend" verhelfen. Eine solche Pille wäre mit Sicherheit ein Bestseller.

Wundermittel von der Osterinsel

Kein Wunder also, dass die 2009 im "Nature" erschienene Studie über ein lebensverlängerndes Wundermittel von der Osterinsel für großes Aufsehen sorgte. Sie schaffte es sogar in die Top Zehn der wissenschaftlichen Durchbrüche des Jahres.

Der Wirkstoff hatte das Leben von Labormäusen um neun (Männchen) bzw. 14 (Weibchen) Prozent verlängert. Und das obwohl die behandelten Mäuse aufgrund von Verzögerungen bei den Versuchen bereits 20 Monate alt waren, was einem menschlichen Alter von etwa 60 Jahren entspricht.

Rapamycin (auch Sirolimus genannt) war damit der erste bekannte Stoff, der auch Säugetiere länger leben lässt. Bisher waren ähnliche Effekte nur bei Hefen und Fadenwürmern festgestellt worden. Es ist ein Stoffwechselprodukt des Bodenbakteriums Streptomyces hygroscopicus und wurde bereits vor einigen Jahrzehnten auf der Osterinsel - polynesisch: Rapa Nui - entdeckt. Verwendet wurde er bis damals vor allem als Immunsuppressivum, beispielsweise bei Transplantationen, um die Abstoßung fremder Organe zu verhindern.

Langes Leben mit Nebenwirkung

Laut den Forschern um Dudley W. Lamming vom Whitehead Institute for Biomedical Research in Cambridge erinnert die Wirkungsweise von Rapamycin an die lebensverlängernden Kalorienreduktion. Es sei wahrscheinlich, dass er tatsächlich am selben zellulären Signalweg andockt.

Noch ist es allerdings zu früh zum Jubeln, denn - wie sich Folgeversuchen herausstellte - hat Rapamycin im Gegensatz zur Diät auch unerwünschte Wirkungen. Es beeinträchtigt den Zuckerstoffwechsel und erhöht die Insulinresistenz, Anzeichen einer Typ 2- Diabetes - nach Ansicht der Forscher ein zu hoher Preis für ein längeres Leben. In ihrer aktuellen Arbeit versuchten sie daher, die positiven von den negativen Wirkungen zu trennen.

Die Suche geht weiter

Rapamycin hemmt das Protein mTOR (Engl.: mammalian Target of Rapamycin), welches in allen Säugetieren vorkommt. Darauf basiert unter anderem seine immunschwächende Wirkung. mTOR spielt in zwei Proteinkomplexen eine wichtige Rolle: mTORC1, der für verschiedene zelluläre Prozesse wichtig ist, und mTORC2, der unter anderem am Insulinsignalweg beteiligt ist. Zu Beginn war man der Meinung nur der erstere reagiere auf Rapamycin, in vitro und an Mäusen zeigte sich laut den Forschers aber langfristig, dass auch der zweite darauf anspricht - vermutlich wird darüber auch die unerwünschte Insulinresistenz angestoßen.

Im Rahmen von Versuchen an gentechnisch modifizierten Mäusen versuchte das Team nun, die beiden Wirkmechanismen voneinander zu trennen. Die Mäuse wurden so verändert, dass mTORC2 weitgehend aktiv blieb, während mTORC1 teilweise gehemmt wurde. Tatsächlich lebten zumindest die Weibchen länger als Kontrolltiere, gleichzeitig blieb ihre Insulinsensitivität erhalten. Fände man einen Wirkstoff, der nur mTORC1 hemmt ohne in andere Regelkreise einzugreifen, wäre man einer lebensverlängernden Pille zumindest einen Schritt näher.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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