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Blick auf den Mondsee

Rote Seen durch Klimaerwärmung

Mit der Erhöhung der Wassertemperatur und der Lichtintensität könnte auch die Wahrscheinlichkeit steigen, dass sich heimische Seen in Zukunft zeitweise rötlich färben. Verantwortlich dafür wäre einer Studie zufolge die übermäßige Vermehrung der Burgunderblutalge unter veränderten klimatischen Bedingungen.

Limnologie 30.03.2012

Das könnte laut den Forschern vom Institut für Limnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) aufgrund der von der Alge gebildeten Giftstoffe eine Gefahr für Wasserlebewesen und die Trinkwasserversorgung darstellen.

Gefahr für Lebewesen und Trinkwasser

Die Studie "Hydrobiologia":

"Deep living Planktothrix rubescens modulated by environmental constraints and climate forcing" von Martin T. Dokulil and Katrin Teubner

Seit 40 Jahren sammeln die Wissenschaftler Daten zum Vorkommen und zur Lebensweise der Burgunderblutalge (Planktothrix rubescens) im Mondsee. Die Algen können bei verstärktem Auftreten ganze Gewässer rot färben. Im Mondsee wurden sie erstmals im Herbst 1968 in großer Zahl nachgewiesen. Nach der Umleitung der Abwässer verringerte sich ihr Bestand dank der verbesserten Wasserqualität. Heute sei nur mehr eine kleine Population vorhanden. Eine Besonderheit ist, dass Planktothrix aufgrund ihrer hohen Toleranz gegenüber niedrigen Lichtintensitäten und Temperaturen auch in tieferen Schichten stehender Gewässer gut zurecht kommt.

Bei massenhafter Vermehrung stelle der von der Alge gebildete Giftstoff Microcystin eine Gefahr für Wasserlebewesen und die Trinkwasserversorgung dar. Zwar hätten nicht alle Algen die Fähigkeit zur Bildung der Gifte, es zeige sich jedoch, dass toxische Vertreter dieser Alge in ganz Europa vorkommen und ihre Häufigkeit mit der Populationsdichte zunimmt. Daraus folge, dass die Blüten der Planktothrix mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit toxisch sind.

Zwei Grad wärmer

ÖAW-Forscher Martin Dokulil hat die Langzeitdaten, die auch chemische und physikalische Parameter des Mondsees umfassen, zusammengeführt und ausgewertet. "Durch den Klimawandel kann bis 2050 eine Erhöhung der Temperatur des Mondsees um etwa zwei Grad prognostiziert werden", so der Wissenschaftler in der Aussendung. Dies würde die Wachstumsperiode der sehr genügsamen Algen begünstigen. Zusätzliche Starkregenereignisse im Einzugsgebiet des Sees, die ebenfalls durch den Klimawandel erwartet werden, könnten auch mehr Nährstoffe in das Wasser befördern. Bei längerer Wachstumsperiode und verstärktem Nährstoffeintrag wäre ein stärkeres Auftreten von Planktothrix vorprogrammiert, so der Forscher.

Im Rahmen des Forschungsprojekts "RADICAL" stellen die Wissenschaftler Modelle der Wachstumsraten im Mondsee unter sich verändernden Umweltbedingungen auf. Die höchsten Zuwächse wurden bisher in den überdurchschnittlich warmen Monaten Mai 2010 sowie während der Monate Oktober-November 2011 verzeichnet. In dem Modell konnte gezeigt werden, dass bereits kurzfristige, nur wenige Wochen dauernde Anstiege der Temperatur, des Licht- und Nährstoffangebots das Wachstum von Planktothrix begünstigen. Vor allem die Temperatur und das Lichtangebot in der Wassersäule hätten starke Auswirkungen auf die Population. Die angestrebte Modellierung soll zukünftig Vorhersagen der Entwicklung der Planktothrix- und Toxinkonzentration in Abhängigkeit sich verändernder physikalischer Bedingungen im Mondsee ermöglichen, so die Forscher.

science.ORF.at/APA

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