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Ein Mann und eine Frau sitzen vor zwei Laptops, im Hintergrund das Facebook-Logo

"Kann Züge einer Sucht annehmen"

Eine Untersuchung an mehr als 1.000 schwedischen Facebook-Usern zeigt: Das soziale Netzwerk ist für viele unverzichtbarer Bestandteil des Alltags. Die Nutzer agieren bisweilen wie Süchtige.

Facebook 03.04.2012

Laut der vom Psychologen Leif Denti geleiteten Studie verbringt der durchschnittliche (schwedische) Facebook-User 75 Minuten täglich im virtuellen Freundeskreis, wobei Frauen mit 81 Minuten mehr Zeit investieren als Männer (64 Minuten). Für 70 Prozent der Befragten sei der Login beim größten sozialen Netzwerk der Welt eine automatisierte Alltagsübung, die nicht mehr hinterfragt werde. "Facebooking kann sich zu einer unbewussten Gewohnheit entwickeln. Die meisten loggen sich sofort ein, wenn sie den Webbrowser starten. Das kann Züge einer Sucht annehmen", so Denti von der Universität Göteborg.

Die Studie

"Sweden´s largest Facebook study", GRI-rapport 2012:3

Obwohl sich Facebook als Gute-Laune-Zone geriert (einen "Gefällt mir"-Button gab es immer schon, ein negatives Gegenstück hingegen erst seit kurzem - freilich nur als inoffizielles Plug-in) ist im Online-Alltag nicht immer alles rosa Pixel. Ein Drittel der männlichen Studienteilnehmer gab etwa zu, andere durch ihre Beiträge provozieren zu wollen. Frauen neigen nur zu einem Fünftel zu provokativen Postings. Jeder vierte Nutzer (beide Geschlechter) nutzt das Netzwerk um sich in besserem Licht darzustellen; direkter formuliert: um anzugeben.

Laut Statistik verbringen User mit niedrigem Einkommen/geringer Bildung mehr Zeit im sozialen Online-Biotop, quer durch alle Bevölkerungsschichten zieht sich indes dieser Zusammenhang: Dauernutzer sind tendenziell weniger mit ihrem Leben zufrieden. Ein positives Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Nutzer beschränkt sich nicht auf die Veröffentlichung von Blödeleien und Befindlichkeiten, sondern tauscht auch Informationen und Wissen aus.

Robert Czepel, science.ORF.at

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