Standort: science.ORF.at / Meldung: "Die Wiedergeburt der Eierschalen"

Ein Korb voll bemalter Ostereier

Die Wiedergeburt der Eierschalen

Rechtzeitig zu Ostern startet in Großbritannien ein Forschungsprojekt rund ums Ei: Aus Eierschalen sollen Biokunststoffe und Rohstoffe für die Pharmaindustrie werden. Und die Naturschutzorganisation WWF hat rechtzeitig zum Osterfest erhoben, wie Eier am energiesparendsten gekocht werden können.

Ostern 04.04.2012

Teure Eierschalen

Das Leicester Unternehmen Just Egg hat ein Problem mit Eierschalen: Der Produzent von Mayonnaise und hartgekochten Eiern verbraucht pro Woche 1,3 Millionen Eier. Dadurch fallen in diesem Zeitraum zehn Tonnen Eierschalen an. Im gesamten Jahr sind es 480 Tonnen. Diese müssen entsorgt werden. Das kostet 30.000 Pfund jährlich.

Dem will das Unternehmen nun ein Ende setzen. Gemeinsam mit der Universität Leicester wird nach Wegen gesucht, wie man die Eierschalen verwerten kann. Das Unternehmen würde sich die Entsorgungsgebühr sparen und wahrscheinlich sogar Geld für den Rohstoff erhalten. Das Inniovationsnetzwerk Food and Drink iNet hat - rechtzeitig vor Ostern - zugesagt, das Projekt zu unterstützen.

Zusatz für Kunststoffe

Food and Drink iNet-Beraterin Stevie Jackson, Just Egg- Geschäftsführer Pankaj Pancholi, und Andy Abbott, Professor für physikalische Chemie an der Universität Leicester vor Eierboxen.

University of Leicester

Von links nach rechts: Food and Drink iNet-Beraterin Stevie Jackson, Just Egg- Geschäftsführer Pankaj Pancholi und Andy Abbott, Professor für physikalische Chemie an der Universität Leicester.

Links:

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 4.4., 13:55 Uhr.

Der Stoff, hinter dem die Forscher her sind, sind sogenannte Glykosaminoglykane. Diese Proteine könnten sich für die Biomedizin und die Pharmaindustrie nutzen lassen. Zudem könnten Eierschalen als Füllstoffe in Kunststoffen eingesetzt werden. Diese könnte man für Ladeneinrichtungen oder Lebensmittelverpackungen verwenden. Würden darin Eier verpackt, wäre der Kreislauf gewissermaßen geschlossen, schreiben die Projektbetreiber in einer Aussendung.

Die wissenschaftlichen Ziele des Projekts bestehen nun darin, Wege zu finden, wie die Eierschalen steril gemacht werden können, wie die Glykosaminoglykane extrahiert werden können und die Stoffe aus den Schalen und die mechanischen Eigenschaften der Kunststoffe zu analysieren.

Energiesparen beim Eierkochen

Diese Form des Schalen-Recyclings könnte sich auch in Österreich auszahlen. Immerhin verspeisen die Menschen hierzulande der Naturschutzorganisation WWF zufolge jährlich zwei Milliarden Eier. Die Umweltorganisation hat die Swiss Alpine Laboratories for Testing of Energy Efficiency damit beauftragt, zu ermitteln, wie viele Energie beim Kochen von Eiern je nach Methode ermittelt wird. Bis zum Vierfachen an Energie kann es kosten, wenn man sich für eine ungünstige Variante entscheidet.

Am besten schneidet der Eierkocher ab: Er erhitzt nur eine kleine Menge Wasser und schaltetet ab, sobald diese verdampft ist. An zweiter Stelle steht eine Methode, die vor zwanzig Jahren der Schweizer Politiker und damalige Umweltminister Adolf Ogi im Fernsehen vorgezeigt hat: Nur zwei Finger breit Wasser in den Topf, Deckel drauf, und wenn das Wasser kocht, abschalten und die Restwärme nutzen. Das Verfahren ist seither als Ogi-Methode bekannt.

Topf und Deckel

Am häufigsten dürfte dem WWF zufolge jedoch die ineffizienteste Methode eingesetzt werden: die Eier vollständig mit Wasser bedeckt ohne Deckel die ganze Zeit kochen zu lassen. Laut WWF müssen die Eier aber nicht vollständig im Wasser sein. Und das Wasser muss nicht die ganze Zeit kochen, bis die Eier fertig sind. Weitere Tipps: Deckel und einen für die Herdplatte passenden Topf verwenden.

Eine Einschränkung gibt es jedoch zu Ogi-Methode: Auf Herden, die die Wärme nicht lange speichern, also Induktions- und Gasherden, muss man doch etwas länger Energie zuführen - auf kleiner Flamme oder Stufe reicht allerdings zum Fertigkochen.

Mark Hammer, science.ORF.at

Mehr zum Thema: