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Erde und Sonne im Weltall

CO2 sorgte für Ende der letzten Eiszeit

Die Zunahme von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre war der wichtigste Faktor für das Ende der letzten Eiszeit. Die Erderwärmung vor rund 10.000 Jahren habe zwar auch mit einer Änderung der Erdbahn zu tun, heißt es in einer aktuellen Studie. CO2 habe die Eisschmelze aber entscheidend vorangetrieben.

Klima 05.04.2012

Die Studie:

"Global warming preceded by increasing carbon dioxide concentrations during the last deglaciation" von Jeremy D. Shakun und Kollegen ist in "Nature" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 5.4., 13:55 Uhr.

Am Ende der letzten Eiszeit ging der vereiste Teil der Erdoberfläche dramatisch zurück, was für den Menschen neue Lebensräume freigab. Seit langem wird darüber debattiert, wie dieser Wandel zustande kam. Bisher spielten Proben von Eis aus der Antarktis dabei eine große Rolle.

Die darin enthaltenen CO2-Spuren ließen den Schluss zu, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erst anstieg, nachdem die Temperaturen schon angestiegen waren. Vor allem "Klimaskeptiker" leiteten daraus ab, dass die CO2-Belastung der Umwelt durch den Menschen nicht zur Erderwärmung führe.

Erdbahn Auslöser, CO2 wichtiger

Für die aktuelle Studie wurden Proben des Grönland-Eises, aber auch Gesteinsproben vom Grund verschiedener Seen von 80 Stellen rund um den Globus herangezogen. Dadurch ergab sich laut Studienleiter Jeremy Shakun von der Universität Harvard ein komplexeres Bild. Die Änderung der Erdbahn, durch die mehr Sonnenlicht auf die Erde geriet, sei als "Auslöser" der Entwicklung anzusehen. Wichtiger sei jedoch die CO2-Zunahme.

Die stärkere Sonneneinstrahlung habe in der nördlichen Hemisphäre zur Eisschmelze geführt, das geschmolzene Wasser habe die Strömungen im Atlantik verändert. Die Meereszirkulation, die bis dahin die Nordhalbkugel auf Kosten der südlichen Hemisphäre mit Wärme versorgte, schwächte sich ab. Die Südhalbkugel wurde dadurch schnell aufgeheizt, was zu einem Freisetzen großer Mengen CO2 aus den Ozeanen in die Atmosphäre und zu einer Veränderung anderer Parameter wie z.B. Wind geführt hat.

Vergleich Temperatur - Kohlendioxid

Vergleich von Temperaturanstieg und CO2-Konzentration

Jeremy Shakun

Wie in der Grafik oben zu sehen ist, haben die Forscher einen Unterschied zwischen den Temperaturverläufen in der Antarktis (rot) und den globalen Durchschnittstemperaturen (grün) gefunden. Während erstere dem Anstieg der CO2-Konzentration (blaue Punkte) leicht vorhergeht, folgen ihr letztere nach.

Verlässt man sich nur auf die Analyse der Bohrkerne aus der Antarktis, könnte man deshalb die höheren Temperaturen als Ursache der Kohlendioxidzunahme annehmen. Betrachtet man aber die weltweiten Werte, zeigt sich ein anderes Bild. "Die CO2-Zunahme ist dem größten Teil der Erwärmung vorangegangen. Und das bedeutet, dass der globale Treibhauseffekt eine wichtige Rolle dabei gespielt hat, die letzte Eiszeit zu beenden", sagte Shakun.

Was damals rund 10.000 Jahre gedauert habe, sei nun durch das Eingreifen der Menschen in nur 200 Jahren erneut geschehen. "Der Planet hat schon mit seiner Antwort begonnen", so der Klimaforscher.

science.ORF.at/AFP

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