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Lionel Messi beim Torjubel

Gute Fußballer sind auch klüger

Dass Fußballer in erster Linie körperliche Balltreter sind, die nichts im Hirn haben, ist nur ein Klischee: Laut einer schwedischen Studie gehören sowohl Spieler als auch Spielerinnen bei bestimmten Intelligenztests zu den Besten.

Psychologie 05.04.2012

Der Zusammenhang ist so klar, dass man aus den Tests ihre Torgefährlichkeit vorhersagen kann, berichtet ein Forscherteam um Torbjörn Vestberg vom Karolinska-Institut in Stockholm.

Messi und Co.

Wenn man ein Team wie den FC Barcelona mit Spielern wie Messi, Iniesta und Xavi beobachtet, würde es einem sowieso nie in den Sinn kommen, dass sich hier dumme Menschen auf dem Platz tummeln. Zu variantenreich, zu kreativ und zu flexibel ist das, was jeder Einzelne von ihnen tut, um daraus ein schlagkräftiges Ensemble zu formen.

In anderen Ländern und Mannschaften mag das gemeine Vorurteil eher naheliegen, die Studie von Vestberg und Kollegen macht damit aber Schluss. Denn wiewohl Schweden keine schlechten Fußballspieler hat, zählen ihre Ligen doch nicht zu den stärksten der Welt - und sind somit durchaus auch mit Österreich vergleichbar.

Die Studie:

"Executive Functions Predict the Success of Top-Soccer Players" von Torbjörn Vestberg und Kollegen ist in "PLoS One" erschienen.

Sendungshinweis:

Lionel Messi und der FC Barcelona in der ORF TVthek, Sport aktuell vom 3.4.

Gut im Problemlösen, kreativ, flexibel

Die Probanden der Studie stammten allesamt aus dem schwedischen Fußball. Die Forscher bildeten zwei Gruppen: Der ersten gehörten 29 Spieler und Spielerinnen der obersten Fußballliga (Allsvenskan) an, der zweiten weitere 28 aus weniger guten Leistungsklassen.

Allesamt hatten eine Reihe von neuropsychologischen Tests zu absolvieren, darunter den D-KEFS-Test, der exekutive Funktionen des Geistes misst: etwa die Fähigkeit, Probleme zu lösen, Kreativität und kognitive Flexibilität.

Es zeigte sich, dass alle Sportler besser waren als der Durchschnitt einer Vergleichsgruppe, die Spitzenfußballer beiderlei Geschlechts gehörten sogar zu den besten fünf Prozent.

Neue Rekrutierungswege?

In einem zweiten Schritt untersuchten Vestberg und seine Kollegen einen möglichen Zusammenhang der Testresultate mit den realen Ergebnissen auf dem Fußballplatz. Sie verglichen die Anzahl der Tore und Assists, die die Spieler und Spielerinnen in den zwei Jahren vor der Studie gemacht hatten, und stellten eine signifikante Relation fest: Je besser ihre exekutiven Geistesfunktionen waren, desto torgefährlicher waren sie auf dem Feld.

Obwohl sich die Forscher in der Interpretation ihrer Ergebnisse vorsichtig geben - so hätten sie durch den Tor-Assist-Wert nur die offensiven Qualitäten von Spielern berücksichtigt -, betonen sie: "Unsere Studie schlägt für die Auswahl zukünftiger Fußballstars vor, nicht nur körperliche Eigenschaften zu berücksichtigen, sondern auch die mit validen neuropsychologischen Tests untersuchten exekutiven Funktionen. Vielleicht verändert die Studie die Weise, wie Ballsportarten betrachtet und neue Talente rekrutiert werden."

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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