Standort: science.ORF.at / Meldung: "Waffen lassen Männer größer erscheinen"

Zwei Hände halten eine Pistole.

Waffen lassen Männer größer erscheinen

Was Comiczeichner und Filmregisseure schon lange wissen, wurde nun durch US-amerikanische Forscher bestätigt: Männer werden als größer und stärker eingeschätzt, wenn sie eine Waffe in der Hand halten.

Psychologie 13.04.2012

Die Anthropologen um Daniel Fessler von der Universität Kalifornien in Los Angeles führen diese Reaktion auf einen uralten Mechanismus des Unterbewusstseins zurück. Das Drohpotenzial werde abgeschätzt und in dieselben Kategorien gegossen, die auch Tiere zur Einschätzung ihrer Gegner verwenden: Größe und Stärke.

Die Studie:

"Weapons Make the Man (Larger): Formidability Is Represented as Size and Strength in Humans" ist im Open-Access-Journal "PLoS One" erschienen (doi:10.1371/journal.pone.0032751).

17 Prozent größer

Versuchsanordnung mit Waffe und anderen Objekten

Fessler DMT, Holbrook C, Snyder JK

In die Hand gelegt: in der ersten Versuchsrunde eine Waffe, eine Dichtmittelpistole, eine Bohrmaschine und eine Säge; in der zweiten Runde ein Messer, ein Pinsel und eine Spielzeugpistole.

Für ihre Studie legten die Forscher 628 Freiwilligen Fotos einer Hand vor, die eine Waffe, eine Dichtmittelpistole, eine Bohrmaschine und eine Säge hielt. Die Aufgabe der Versuchspersonen war es, von der Hand auf Größe und Aussehen des Menschen zu schließen. Die Auswertung zeigte: Die Männer mit der Waffe wurden um 17 Prozent größer und stärker imaginiert als die schwächsten und kleinsten, denen die Dichtmittelpistole zugeordnet wurde. Und das, obwohl die Forscher bei der Auswahl der Hände darauf achteten, dass sich die Extremitäten sehr ähnlich waren und auch keine weiteren Merkmale wie Narben oder Tätowierungen aufwiesen.

Andere Objekte

Um zu überprüfen, ob dieses Ergebnis durch die Populärkultur beeinflusst wurde, die den Besitz von Waffen gemeinhin mit Stärke assoziiert, machten die Forscher eine zweite Testrunde mit anderen Versuchspersonen und anderen Objekten: einem Küchenmesser, einem Pinsel und einer Spielzeugpistole. 100 Testpersonen wurden gebeten, die Objekte der Kategorie "Mann", "Frau" bzw. "Kind" zuzuordnen und nach ihrer Gefährlichkeit zu bewerten. Wenig überraschend galt das Messer als am gefährlichsten, gleichzeitig wurde es aber - wohl wegen des Gebrauchs im Alltag etwa beim Kochen - den Frauen zugeordnet.

Als die Wissenschaftler den Versuchspersonen aber Bilder von männlichen Händen mit einem Messer, einem Pinsel und einer Spielzeugpistole in der Hand zeigten, wurden wiederum die messerhaltenden Männer deutlich größer und stärker eingeschätzt.

Schnelle Risikoabschätzung

"Mit diesem System der unbewussten Risikoeinschätzung soll möglichst schnell beurteilt werden, ob man einen Konflikt gewinnen oder verlieren würde", erklärt Jeffrey Snyder, ebenfalls Anthropologe an der UCLA, in einer Aussendung. Indem das Gehirn Signale wie eben eine Waffe in Größe und Stärke umlege, könne das Bedrohungspotenzial sofort bewertet werden.

Die Studie wurde mit Unterstützung der US Air Force gemacht und ist Teil eines größeren Forschungsprojekts zur Frage, nach welchen Kriterien Menschen Entscheidungen treffen, wenn Gewalt im Raum steht.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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