Standort: science.ORF.at / Meldung: "Verdoppelung der Demenzkranken bis 2030"

alte Hände stützen sich auf einem Stock

Verdoppelung der Demenzkranken bis 2030

Alzheimer und andere Demenzerkrankungen werden nach Überzeugung von Experten immer mehr zu einer Geißel der Menschheit. Allein bis 2030, also in den nächsten 18 Jahren, werde sich die Zahl der Erkrankten auf 66 Millionen beinahe verdoppeln, warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

WHO 11.04.2012

Bis 2050 müsse man damit rechnen, dass rund 115 Millionen Menschen unter dieser Gehirnerkrankung leiden, deren häufigste Form Alzheimer ist. Das wären mehr als dreimal so viele wie heute.

Diagnose verbessern

In vielen Ländern sei das öffentliche Interesse an der Behandlung der Krankheit und die Bereitschaft zur Hilfe für die Betroffenen immer noch sehr gering, beklagte Marc Wortmann, Direktor der Internationalen Organisation für Alzheimer-Forschung (ADI). Diese war maßgeblich an der Demenzstudie beteiligt.

"Wir müssen unsere Möglichkeiten verbessern, Demenz frühzeitig zu erkennen und die notwendige medizinische und soziale Fürsorge zu gewähren", sagte der stellvertretende WHO-Generaldirektor Oleg Tschestnow. Ein großes Problem sei der Mangel an zuverlässigen Diagnosemöglichkeiten. Selbst in reichen Ländern werde Demenz in bis zur Hälfte aller Fälle erst viel später erkannt, als das eigentlich heute schon möglich wäre.

Hohe Pflegekosten

Von Demenz seien Menschen in allen Ländern der Welt betroffen, heißt es in dem Bericht. 58 Prozent der heutigen Demenzpatienten lebten in Ländern mit nur "geringen bis mittleren Einkommen" und würden vergleichsweise schlecht versorgt. Oft seien die Gesundheitssysteme aufgrund der vor allem wegen der steigenden Lebenserwartung zunehmenden Demenzfälle weit überfordert.

In Deutschland muss laut einer Krankenkassenstudie von 2011 jeder dritte Mann und jede zweite Frau damit rechnen, irgendwann im Leben an Demenz zu erkranken. Die Zahl der Demenzkranken wird heute bereits mit bis zu 1,4 Millionen beziffert. Zwei Drittel der Demenzkranken sind pflegebedürftig.

Die WHO-Studie bestätigt frühere Berechnungen in Deutschland, wonach die Pflege von Demenzkranken immer höhere Kosten verursacht. Weltweit werden sie laut WHO bereits auf jährlich 460 Milliarden Euro geschätzt. In der Bundesrepublik braucht ein Demenzkranker nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK pro Monat im Schnitt gut 500 Euro mehr von den Pflege- und 300 Euro mehr von den Krankenkassen als ein durchschnittlicher Versicherter.

science.ORF.at/dpa

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