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Eine junge Frau betet

Österreich im Mittelfeld der Gläubigen

Der Anteil an Menschen, die an Gott glauben, ist weltweit in den vergangenen 20 Jahren leicht gesunken. Wie eine Vergleichsstudie von 30 Ländern zeigt, gibt es dabei aber große regionale Unterschiede. Österreich liegt in Sachen Gottesglaube im Mittelfeld. Überall gilt der Trend: Je älter Menschen werden, desto eher glauben sie an Gott.

Religion 18.04.2012

Zu den 30 Ländern gehörten in erster Linie solche, in denen Christen in der Mehrheit sind, dazu noch Japan und Israel. Länder mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung waren nicht Teil der Untersuchung, die das Forschungsinstitut NORC von der Universität Chicago am Mittwoch vorgestellt hat.

Die Studie:

"Belief About God Across Time and Countries" wurde von Tom Smith und Kollegen verfasst. Die Daten stammen von der weltweiten Sozialstudie GSS, für den österreichischen Teil der Befragung war das Institut für Soziologie der Universität Graz zuständig.

Österreich-Werte im Detail:

53 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen glauben laut dem Institut für Soziologie der Universität Graz an Gott, weitere 27 Prozent an eine "höhere Macht", 20 Prozent glauben nicht an Gott. 56 Prozent glauben an religiöse Wunder, 21 Prozent beten mehrmals pro Woche oder täglich (25 Prozent niemals). Beim Gottesdienst sind die Österreicher allerdings weniger fleißig: Nur zwölf Prozent geben an, die Kirche wöchentlich zu besuchen, 52 Prozent machen das "zwei Mal im Monat bis einmal pro Jahr".

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 18.4., 13:55 Uhr.

Filipinos am gläubigsten

Generell zeigen sich riesige Unterschiede zwischen den einzelnen Nationen. Atheismus ist am stärksten in Nordosteuropa verbreitet wie in Schweden, Norwegen und - mit Ausnahme Polens - den ehemaligen Ländern des Ostblocks. In Ostdeutschland sagen 59 Prozent der Befragten, dass sie "niemals an Gott geglaubt haben", das ist der höchste Wert weltweit. Zum Vergleich: Nur vier Prozent der US-Amerikaner sind dieser Ansicht.

Die Philippinen sind jenes Land mit den gläubigsten Menschen: Satte 94 Prozent der Befragten gaben an, dass sie "immer an Gott geglaubt" hätten. 82 Prozent der Philippiner glauben auch daran, dass sich Gott direkt in ihre "persönlichen Belange" einmischt. Nur acht Prozent der Ostdeutschen glauben dies, auch hier sind sie internationales Schlusslicht.

In Österreich glauben 53 Prozent an Gott, das sind etwa gleich viele wie in Australien, Frankreich und Finnland, deutlich mehr als in der Tschechischen Republik, Schweden und den Niederlanden, aber deutlich weniger als in den USA, Irland, Israel und vielen südamerikanischen Ländern.

Wenn der Tod naht ...

Insgesamt habe es in den untersuchten Ländern im Schnitt in den vergangenen Jahren eine leichte Abnahme des Glaubens gegeben. Katholische Länder sind dabei tendenziell gläubiger als protestantische, mit Ausnahme der USA, die in Sachen Gottesgläubigkeit an der Spitze der Industrienationen stehen.

Bei allen Unterschieden zwischen den Nationen und Kontinenten gibt es aber eine Gemeinsamkeit: Je älter Menschen werden, desto eher glauben sie an Gott.

Im Durchschnitt aller Länder glaubten nur 23 Prozent aller Unter-27-Jährigen an die Existenz Gottes, während es bei den Über-68-Jährigen 43 Prozent waren. Der größte Bruch zwischen den verschiedenen Altersgruppen liegt bei 58 Jahren: Danach steigt die Glaubensbereitschaft sprunghaft an. Das naheliegende Argument laut Studienhauptautor Tom Smith: Im Alter werden sich die Menschen ihrer eigenen Sterblichkeit stärker bewusst.

Diese Tendenz gibt es in allen Ländern, auch wenn die absoluten Werte sehr unterschiedlich sind. In Österreich z.B. sind sich acht Prozent der Jungen "sicher, dass Gott existiert", bei den Über-68-Jährigen sind es 32 Prozent.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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