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Sibirischer Permafrostboden unter wolkigem Himmerl

Vegetation verringert Treibhausgase

Vieles deutet darauf hin, dass die schmelzenden Permafrostböden den Klimawandel durch die Freisetzung von Treibhausgasen beschleunigen. Doch bisherige Modelle haben laut Forschern die Entwicklung der Vegetation zu wenig berücksichtigt. Das Auftauen könnte Pflanzen ermöglichen, vormals unbewohnbare Gebiete zurückzuerobern.

Permafrostböden 26.04.2012

Damit könnte die Freisetzung der Treibhausgase verringert werden, erklärte Ko van Huissteden vom Department of Earth Sciences der Vrije University in Amsterdam gestern bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Generalversammlung der Geowissenschaftlichen Union (EGU) in Wien.

Reduktion des CO2-Ausstoßes

Das Auftauen des Permafrostbodens sei einerseits auf die Klimaerwärmung und andererseits auf die Zerstörung der Vegetation durch den Menschen zurückzuführen, die die Böden vor dem Auftauen schützt. Schätzungen zufolge, sind in arktischen Gebieten etwa 1.500 Gigatonnen organischer Kohlenstoff in den Permafrostböden gespeichert. Das ist etwa die doppelte Kohlenstoffmenge, die sich derzeit in der Atmosphäre befindet. Es sei nicht klar, wie viel davon tatsächlich in die Luft gelangt, wenn die Böden auftauen. Schätzungen gingen in Richtung zehn Prozent, so van Huissteden, der für seine Analysen in einer Forschungsstation im nordöstlichen Sibirien arbeitete.

In den vergangenen dreißig Jahren habe sich die Anzahl der Tümpel in der Gegend um die Forschungsstation verdreifacht - ein Resultat der Klimaerwärmung. Das sei aus Satellitenbildern ersichtlich. Einige der Gewässer seien aber auch wieder verschwunden, da sie von Pflanzen überwuchert wurden, die von den gestiegenen Temperaturen profitieren. "So lange ein Tümpel aktiv ist, emittiert er sehr hohe Konzentrationen an Kohlendioxid und Methan. Wenn aber die Vegetation den Tümpel überwuchert, erhöht sich auch die Kohlenstoffaufnahme wieder", so van Huissteden. Das könne den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren.

Es sei nun wichtig herauszufinden, wie schnell sich die Vegetation ausbreitet, um die Effekte zukünftig in Klimamodellen ausreichend berücksichtigen zu können. Eiszeitliche Permafrostböden seien "eine große Quelle für Treibhausgase", man müsse aber auch die ausgleichenden Effekte über die Zeit in den Modellen berücksichtigen, so van Huissteden.

science.ORF.at/APA

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