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Rekonstruktion von"Ötzis" Gesicht

5.300 Jahre alte Blutkörperchen

Ötzi, die 5.300 Jahre alte Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen, bleibt eine Fundgrube für die Wissenschaft: Heute weiß man in etwa, wie er in der Jungsteinzeit lebte, aussah und bekleidet war, welche Werkzeuge er nutzte und welche Krankheiten er hatte. Nun haben Forscher erstmals Blutreste von Ötzi gefunden.

Ötzi 02.05.2012

Die Studie:

"Preservation of 5300-year-old Red Blood Cells" von Marek Janko und Kollegen ist in "Journal of the Royal Society Interface" erschienen (sobald online).

Ötzi im Südtiroler Labor

Samadelli Marco/EURAC

Am 19. September 1991 stieß das deutsche Ehepaar Erika und Helmut Simon im Südtiroler Teil der Ötztaler Alpen auf die 5.300 Jahre alte Leiche aus der Jungsteinzeit. Seither beschäftigt der Mann aus dem Eis namens Ötzi Forschung und Öffentlichkeit.

Kaum ein Mensch wurde je so intensiv untersucht wie Ötzi. Nicht einmal das Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen, wo die Mumie liegt, hat noch einen Überblick, wie viele Forschungsteams sich mit der Mumie aus dem Eis beschäftigt haben.

Ötzi wurde geröntgt, in Computertomographen geschoben, sein Mageninhalt wurde analysiert, seine Muskeln rekonstruiert, seine Knochen genau untersucht, es wurden Pollen in seinem Darm analysiert und immer wieder machten sich Experten daran, sein Erbgut zu entschlüsseln. Dadurch weiß man heute in etwa, wie er in der Jungsteinzeit lebte, wie er aussah, wie er bekleidet war, welche Werkzeuge er nutzte, welche Krankheiten er hatte.

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Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 2.5., 13:55 Uhr.

Nach Angaben von Albert Zink, dem Leiter des Instituts für Mumien und den Iceman der Europäischen Akademie Bozen (EURAC), ist es das erste Mal, dass es Wissenschaftlern gelang, rote Blutkörperchen an der Eismumie zu finden.

Der Fund untermauere die These, dass "Ötzi" direkt an der Verletzung starb und nicht erst Tage danach.

Proben aus der Pfeileinschuss-Wunde

"Dass nach so langer Zeit noch Blutkörperchen erhalten sind, war für uns eine Riesenüberraschung", sagte Zink, der Mitglied des Center for NanoSciences in München ist und die neuen Untersuchungen gemeinsam mit Kollegen zunächst in München begann.

"Es gab bislang keine Erkenntnisse darüber, wie lange Blut erhalten bleibt - geschweige denn, wie menschliche Blutkörperchen aus der Kupferzeit aussehen."

Das Forscherteam untersuchte Gewebeschnitte aus der Pfeileinschuss-Wunde am Rücken, die "Ötzi" allem Anschein nach einst das Leben kostete, und aus einer Schnittwunde an seiner rechten Hand mit einem Rasterkraftmikroskop. Dieses Gerät vermisst mit einer feinen Spitze die Oberfläche der Gewebeproben und zeichnet ein dreidimensionales digitales Abbild. "Zum Vorschein kam das Bild von roten Blutkörperchen mit der klassischen "Donut-Form" - der gleichen Form, wie sie bei gesunden Menschen unserer Zeit vorliegt", sagte Zink.

Keine Pollen oder Bakterien

Um auszuschließen, dass es sich dabei um Pollen oder Bakterien handelte, wandten die Forscher noch eine zweite Untersuchungsmethode an und bestrahlten die Gewebeproben mit intensivem Licht (Raman-Spektroskopie), wodurch sich unterschiedliche Moleküle identifizieren ließen. Die daraus gewonnenen Bilder stimmten mit modernen Proben menschlichen Bluts überein, so die Wissenschaftler.

Die Forscher erhoffen sich jetzt von der 5.300 Jahre alten Blutprobe auch Erkenntnisse für die moderne Gerichtsmedizin und darüber, wie Blutspuren sich mit der Zeit verändern. "Ein Ansatz war auch, irgendwann ein Tool für die Gerichtsmedizin zu entwickeln", sagte Zink. Bisher sei es kaum möglich, bei Tatortuntersuchungen das exakte Alter einer Blutspur zu bestimmen.

Und noch ein Ergebnis haben die Untersuchungen gebracht: An der Pfeileinschuss-Wunde stieß das Forscherteam auf Fibrin, ein Protein, das die Blutgerinnung steuert, wie Zink sagte. Dieser Fund untermauere die These, dass "Ötzi" direkt an der Verletzung starb und nicht erst Tage danach, wie laut Zink zwischenzeitlich vermutet wurde.

science.ORF.at/dpa

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