Standort: science.ORF.at / Meldung: "Extrem giftiges Alzheimer-Protein identifiziert"

Modell eines Gehirns.

Extrem giftiges Alzheimer-Protein identifiziert

Ein internationales Forscherteam hat ein besonders toxisches Protein im Gehirn von Mäusen identifiziert, welches die Giftigkeit anderer Proteine desselben Typs deutlich erhöht - laut den Wissenschaftlern ein möglicher Auslöser für die Entstehung von Morbus Alzheimer (Demenz vom Typ Alzheimer).

Medizin 03.05.2012

"Ansteckendes" Protein

Die Ablagerung von Beta-Amyloid im Gehirn gilt neben der Bildung von Tau-Proteinen als der krank machende Faktor bei Morbus Alzheimer. Doch es kommt offenbar auf ganz spezifische Formen von Beta-Amyloid an. "Durch das Enzym Glutaminylzyklase veränderte Amyloid-Beta-Proteine sind wesentlich toxischer als das bei Morbus Alzheimer als Ursache oft genannte 'Amyloid-Beta 1-42'", erklärte Hans-Ulrich Demuth des an der Studie beteiligten deutschen Biotechunternehmens Probiodrug gegenüber der APA.

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Über die Studie berichtete auch "Wissen Aktuell" am 3.5.2012.

Mehr noch, so das Unternehmen in einer Aussendung: "Durch einen Mechanismus, der dem Ausbreitungsmechanismus der Prion-Proteine ähnelt, werden durch bloßen Kontakt mit dem Pyroglutamat-Amyloid-Beta-Protein die erworbene Struktur und die damit verbundenen neurotoxischen Eigenschaften an weitere, normale Amyloid-Beta-Peptide weitergegeben." Das bedeutet, dass das für die Nervenzellen im Gehirn besonders giftige Protein andere "ansteckt" bzw. zu einer Entwicklung in Richtung noch größerer Toxizität anregt.

Wirkstoffkandidat wird getestet

Diese Prozesse dürften auch abhängig vom zweiten "Alzheimer-Bösewicht", dem Tau-Protein, ablaufen. In Österreich war an den Forschungen über die Züchtung von Mäusen für Tiermodelle JSW Life Sciences in Grambach bei Graz beteiligt.

Das deutsche Unternehmen will auf der Hypothese über die besonders Nervenzell-giftigen Proteine Hemmstoffe als potenzielle Medikamente entwickeln. Konrad Glund, Vorstandssprecher von Probiodrug: "Dies ist ein bedeutender Schritt nach vorn für unser Verständnis der molekularen Krankheitsmechanismen. Ein entsprechender Wirkstoffkandidat, PQ912, ist gerade in Phase-I-Studien (an gesunden Probanden) erfolgreich geprüft worden. Das Unternehmen bereitet nun erste Patientenstudien vor."

science.ORF.at/APA

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