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Schimpanse nutzt Stein als Werkzeug

Tradition nach Affenart

Alles eine Frage der Kultur - auch bei Schimpansen: In einem westafrikanischen Nationalpark knacken die Affen gern Nüsse, nutzen dabei aber in den einzelnen Gruppen verschiedene Werkzeuge.

Affenkultur 2 11.05.2012

Das berichten Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie, die im Tai-Nationalpark an der westafrikanischen Elfenbeinküste drei benachbarte Schimpansen-Gruppen beobachtet hatten.

Hämmer aus Holz und Stein

Die Studie

"Neighboring Chimp Communities Have Their Own Nut-Cracking Styles", Current Biology (doi: 10.1016/j.cub.2012.03.031).

Das Team um Lydia Luncz hatte vor allem interessiert, ob die Schimpansengruppen unterschiedliches kulturelles Verhalten zeigen, obwohl sie unter ähnlichen Umweltbedingungen leben und genetisch kaum verschieden sind. "Beim Menschen sind kulturelle Unterschiede ein essenzieller Teil dessen, was benachbarte, in sehr ähnlichen Umweltbedingungen lebende Gruppen unterscheidet", wird Luncz in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Eine sehr ähnliche Situation sei nun bei den Schimpansen (Pan troglodytes verus) des Tai-Nationalparks gefunden worden.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Kultur der Affen berichtet auch Wissen Aktuell am 11.5. um 13:55.

Analysiert wurde von den Forschern, welche Werkzeuge die 45 Mitglieder der drei Gruppen zum Nüsseknacken bevorzugten. Die Tiere knacken Nüsse des Baums Coula edulis mit Stein- oder Holzhämmern und verwenden Baumwurzeln als Ambosse. Je nach Härtegrad der Nüsse, der im Laufe der Saison abnimmt, wechseln sie die Werkzeuge - und verwenden je nach Gruppe unterschiedliche Hämmer. Zwei Gruppen gingen während der "Erntezeit" von Stein- zu Holzhämmern über, verwendeten aber jeweils unterschiedliche Größen. Die dritte Gruppe benutzte durchgängig große Steinhämmer.

Die feinen Unterschiede

Die Verfügbarkeit von Stein- und Holzhämmern war in den Territorien der drei Gruppen gleich, ebenso die Beschaffenheit der Nüsse. "Unsere Studie zeigt, dass es feine kulturelle Unterschiede zwischen benachbarten Schimpansengruppen gibt, die sich denselben Lebensraum teilen", erklärte Lydia Luncz. Ähnlich wie die Menschen könnten auch Schimpansen kulturelles Wissen abrufen, um Herausforderungen zu lösen und dies an folgende Generationen weitergeben.

"Ich werde im Dezember wieder an die Elfenbeinküste fahren, um weitere Fragen zum Werkzeuggebrauch und zur Kultur bei Schimpansen zu beantworten", sagte Luncz. Dann solle es darum gehen, welche der drei Gruppen den effizientesten Weg gefunden hat, Nüsse zu knacken. "Auch wollen wir uns mit sozialem Lernen beschäftigen und die Frage beantworten, ab welchem Alter Jungtiere, die das Knacken lernen, mit der Gruppe konform sind."

science.ORF.at/dpa

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