Standort: science.ORF.at / Meldung: "Sozialstatus und Mutterkontakt machen gesund"

Zwei Paviane kuscheln aneinander

Sozialstatus und Mutterkontakt machen gesund

Zwei Affenstudien zeigen, wie stark Sozialverhalten und Gesundheit zusammenhängen. In der einen wiesen Forscher nach, dass sich ranghohe Pavianmännchen besonders schnell von Krankheiten und Verletzungen erholen. Die andere zeigte bei Rhesusaffen, wie wichtig der Kontakt zur Mutter für das Wohlergehen ist.

Verhaltensforschung 22.05.2012

Für die Pavianstudie untersuchte ein internationales Team um Elizabeth Archie von der Universität Notre Dame wildlebende Affenmännchen aus Kenia. Die Angaben umfassten einen Zeitraum von rund 27 Jahren.

Die Studien:

"Social status predicts wound healing in wild baboons" von Elizabeth Archie und Kolleginnen sowie "Primate evidence on the late health effects of early life adversity" von Gabriella Conti sind in den "PNAS" erschienen (sobald online).

Die Forscher prüften, wie schnell sich die Tiere nach einer Verletzung oder Krankheit wieder erholten. Dadurch sollte auch indirekt gemessen werden, wie gut das Immunsystem der Affen funktioniert. Archie und Kollegen betrachteten nicht nur den sozialen Rang der Tiere, sondern auch Faktoren wie die Art der Verletzung, das Alter der Affen oder die Jahreszeit, in der die Tiere erkrankten.

Mehr Stress, dennoch gesünder

Männliche Paviane, die sich mit bleckenden Zähnen gegenüberstehen

Courtney Fitzpatrick

Männliche Paviane

Die Leittiere der Horde wurden nicht nur seltener krank - sie erholten sich auch deutlich schneller von Erkrankungen und Verletzungen als ihre niederrangigen Artgenossen, heißt es in der Studie. Besonders ausgeprägt sei dieser Trend bei den ranghöchsten Tieren, den Alphamännchen.

Dieses Ergebnis bezeichneten die Forscher als "etwas überraschend". Vorherige Studien hätten nämlich gezeigt, dass ein hoher Spiegel an bestimmten Hormonen sowie das energiezehrende Bestreben, sich fortzupflanzen, eher zu Stress und zur Unterdrückung der Immunabwehr führt - Faktoren, die vor allem bei Alphamännchen auftreten würden.

Die Autoren erklären sich ihre Ergebnisse daher auch dadurch, dass chronischer Stress, hohes Alter und ein schlechter körperlicher Zustand bei Pavianen mit niedrigerem Rang zu einer sehr schlechten Immunabwehr führen. In welche Richtung der Zusammenhang besteht - also ob aus dem Sozialrang die Gesundheit resultiert oder aus der Gesundheit der Sozialrang - sei aber nicht restlos geklärt, betonen die Forscher.

Frühe Trennung von Mutter führt zu Problemen

Eine zweite Studie in den "Proceedings" beschäftigt sich mit der Gesundheit von Rhesusaffen. Das US-Team um Gabriella Conti von der Universität Chicago untersuchte, wie wichtig der Kontakt zur Mutter nach der Geburt ist.

230 Tiere wurden dabei in drei Gruppen geteilt: In der ersten blieben die Affen bei der Mutter. In der zweiten und dritten wurden die Tiere zunächst von der Mutter getrennt. Nach fünf Wochen kam eine Gruppe in einen Käfig mit anderen gleichaltrigen Affen. Die andere musste den Großteil der Zeit alleine mit einem sehr simplen Mutterersatz verbringen - einer mit Stoff ummantelten warmen Wasserflasche, die von der Käfigdecke hing. Im Alter von einem halben Jahr kamen alle Affen in eine gemeinsame Gruppe.

Rhesusaffen ohne Mutterkontakt waren den Forschern zufolge später häufiger verhaltensgestört. Zudem wurden Weibchen, die von Gleichaltrigen aufgezogen wurden, häufiger verletzt und litten an Haarausfall. Die Experten schließen daraus, dass eine frühe Trennung von der Mutter später zu Gesundheitsproblemen führt. Diese könnten auch nicht durch eine normale soziale Umgebung ausgeglichen werden.

science.ORF.at/dpa

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