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Eine Ambrosia-Pflanze wird hochgehalten.

Wie geht man mit Pflanzen um?

Können sich Pflanzen selbst entfalten bzw. verletzt ein gentechnischer Eingriff die Integrität einer Pflanze? Mit Fragen wie diesen setzt sich Angela Kallhoff vom Institut für Philosophie der Universität Wien auseinander. Sie sucht und untersucht ethische Kriterien, nach denen man entscheiden kann, wie man am besten mit Pflanzen umgeht.

Ethik 21.05.2012

Zudem widmet sich die seit Herbst vergangenen Jahres an der Uni Wien tätige Professorin für Ethik dem Thema "Klimagerechtigkeit". Am kommenden Mittwoch (23.5.) hält Kallhoff ihre Antrittsvorlesung.

Richtlinien, wo Intuition nicht ausreicht

"Pflanzen leiden nicht", daher sei es kompliziert "Gründe zu finden, warum man auf eine bestimmte Weise mit Pflanzen umgehen sollte und bestimmte Verhaltensformen lassen sollte", so Kallhoff. Um genauer zu erfahren, was Pflanzen schädigt, habe sie mit Botanikern zusammengearbeitet und sich mit der Pflanzenstressforschung befasst.

Dabei hat sich herausgestellt, dass Konzepte wie Selbstentfaltung und Selbstentwicklung brauchbar sind, um zu unterscheiden, ob eine Pflanze gesund oder krank, vital oder labil ist, erklärte Kallhoff.

Ziel der angewandten Ethik sei es, moralische Richtlinien für die Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik zu formulieren, wo die alltägliche moralische Intuition nicht ausreicht, so Kallhoff. In der Pflanzenethik seien zum Beispiel gentechnisch veränderte Pflanzen ein aktuelles Thema.

Aus ethischer Sicht spräche gegen solche Eingriffe, dass die Integrität der Pflanze verletzt würde, sagte Kallhoff. Dieses Argument könne aber unter Umständen von anderen überwogen werden, etwa der Ernährungssicherheit, wenn man damit die Vielfalt schützen kann oder weniger Pestizide braucht.

Lastenaufteilung des Klimawandels

Dass dies nicht nur akademisch-philosophische Überlegungen sind, zeigt das Beispiel Schweiz: Dort habe die Diskussion um gentechnische Veränderungen dazu geführt, dass ein Naturschutzartikel in der Verfassung geändert wurde und nun besagt, dass auch bei Pflanzen die Würde der Kreatur geschützt werden muss.

Neben der ökologischen Ethik beschäftigt sich Kallhoff mit der politischen Philosophie. Mit der "Klimagerechtigkeit" hat sie ein Thema gefunden, das diese beiden Gebiete verbindet. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht dabei die Frage, wie die Lasten gerecht aufgeteilt werden könnten, die durch den Klimawandel und Versuche ihn zu mäßigen entstehen. Dies sieht sie als eine der wichtigsten Fragen in der aktuellen Klimadiskussion.

Ihre Antrittsvorlesung wird Kallhoff über "Das öffentliche Gut im Diskurs der politischen Ethik" halten. Auch hier spiele die ökologische Debatte mit, denn viele der gefährdeten Güter, wie das Klima oder die Meere, seien von der Struktur her öffentliche Güter.

science.ORF.at/APA

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