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Rekonstruktion des Urtierchens Diania cactiformis

Die Top Ten der neuen Arten

Jedes Jahr verschwinden Arten für immer von der Erdoberfläche, gleichzeitig tauchen immer wieder neue auf. Forscher küren seit fünf Jahren die spektakulärsten Neuentdeckungen. Heuer zählen dazu unter anderem ein niesender Affe, ein "wandelnder Kaktus" und ein Pilz namens "SpongeBob Schwammkopf".

Artenvielfalt 24.05.2012

Mit ihrem Ranking wollen die Forscher vom International Institut for Species Exploration an der Arizona State University auf die bedrohte Biodiversität aufmerksam machen. Aber auch die Arbeit der vielen namenlosen Entdecker, die sich seit Jahrhunderten der Entdeckung und der genauen Beschreibung von neuen Pflanzen, Tieren und Mikroben widmen, soll damit gewürdigt werden. 200 Arten waren dieses Jahr nominiert, ausgewählt wurden laut der internationalen Jury jene mit besonders eigenartigem Aussehen bzw. ebensolchen Eigenschaften.

Bilder und Infos zu den Top Ten 2012

Ein Affe, eine Qualle und des Teufels Wurm

Rhinopithecus strykeri - ein Stumpfnasenaffe

Sara Pennak/International Institute for Species Exploration/Arizona State University

Der niesende Stumpfnasenaffe Rhinopithecus strykeri.

Das einzige Säugetier auf der Liste ist ein niesender Affe, Rhinopithecus strykeri - der erste Stumpfnasenaffe, den man in Myanmar bisher gefunden hat. Das schwarzweiße Tier, das niest, wenn es regnet (YouTube-Video), soll - obwohl gerade erst entdeckt - bereits vom Aussterben bedroht sein.

Eine besonders schöne, aber giftige Qualle von der Karibikinsel Bonaire wurde Tamoya ohboyha getauft. Menschen würden bei ihrem Anblick "Oh boy" ausrufen (YouTube-Video).

Die Qualle Tamoya ohboyha

Sara Pennak/International Institute for Species Exploration/Arizona State University

Die Qualle Tamoya ohboyha.
Der fadenwurm Halicephalobus mephisto

Sara Pennak/International Institute for Species Exploration/Arizona State University

Der Fadenwurm Halicephalobus mephisto

Als wissenschaftliche Sensation wurde letztes Jahr die Entdeckung eines Fadenwurms in drei Kilometer Tiefe gefeiert, gefunden wurde er in jahrtausendealtem Wasser von südafrikanischen Minen.

Man hatte nicht damit gerechnet, dass es mehrzelliges Leben so weit unter der Erdoberfläche geben kann. In Anlehnung an die griechische Bedeutung des Namens Mephistopheles ("Der das Licht nicht liebt") wurde er Halicephalobus mephisto genannt.

Blühende Schönheit und Parasiten

Die Orchidee Bulbophyllum nocturnum

Sara Pennak/International Institute for Species Exploration/Arizona State University

die Orchidee Bulbophyllum nocturnum.

Auch zwei Blumen gibt es unter den Top Ten: Eine - Bulbophyllum nocturnum - blüht lediglich in der Nacht. Die Orchidee aus Papua-Neuguinea öffnet ihre Blütenblätter um zehn Uhr abends und schließt sie am frühen Morgen wieder. Forschern zufolge ist sie die einzige nachtblühende Orchidee unter den 25.000 bekannten Arten.

Die Wespe Kollasmosoma sentum

Sara Pennak/International Institute for Species Exploration/Arizona State University

Die Wespe Kollasmosoma sentum.

Die zweite Top Ten-Blume zählt zu den Mohngewächsen. Die große, gelb blühende Pflanze aus Nepal wächst in Höhen von 3.000 bis 4.000 Metern.

Eine besonders unangenehme parasitäre Wespe hat es ebenfalls auf die Liste geschafft. Das klitzekleine Insekt - Kollasmosoma sentum, entdeckt in Madrid - fliegt nur einen Zentimeter über dem Boden, auf der Suche nach Opfern: Ameisen.

Hat sie eines entdeckt, attackiert sie aus der Luft und legt in einer Zwanzigstel Sekunden ihre Eier ab (YouTube-Video). Die haarige blaue Spinne Pterinopelma sazimai aus Brasilien wirkt im Vergleich dazu fast harmlos.

Spinne Pterinopelma sazimai

Sara Pennak/International Institute for Species Exploration/Arizona State University

Die Spinne Pterinopelma sazimai.

Hybride Formen

Dass Biologen auch eine kindische Ader haben, zeigt die Benennung eines neuen Pilzes: Spongiforma squarepantsii, Namensgeber war die Komikfigur "SpongeBob SquarePants" (Dt.: "SpongeBob Schwammkopf").

Die neue Art sieht tatsächlich eher wie ein Schwamm als ein Pilz aus. Man kann ihren Körper auch wie einen Schwamm drücken, wonach dieser in seine ursprüngliche Form zurückspringt. Der fruchtig riechende Pilz wurde auf Borneo entdeckt.

Pilz Spongiforma squarepantsii

Sara Pennak/International Institute for Species Exploration/Arizona State University

Der Pilz Spongiforma squarepantsii.
Tausendfüßler Crurifarcimen vagans

Sara Pennak/International Institute for Species Exploration/Arizona State University

Der Tausendfüßler Crurifarcimen vagans.

Ein extrem großer Tausendfüßler zählt ebenfalls zu den Gewinnern, er erinnere an eine wandernde Wurst - daher auch sein lateinischer Name: Crurifarcimen vagans (übersetzt in etwa "umherschweifende Wurst mit Bein").

Das zehnte Tier auf der Liste der Neuentdeckungen ist bereits von der Erde verschwunden. Er zählt zu der ausgestorbenen Gruppe der Lobopoden. Es erweckt ebenfalls einen eher hybriden Eindruck. Der "wandelnde" Kaktus" Diania cactiformis sieht zwar nicht wie ein Tier aus, ist aber eins. Gefunden wurde das über 450 Millionen Jahre alte Fossil im Südwesten von China.

Der "wandelnde" Kaktus" Diania cactiformis

Sara Pennak/International Institute for Species Exploration/Arizona State University

Der "wandelnde Kaktus" Diania cactiformis.

Ausgestorbene Arten, die weniger gut konserviert sind, könnten unserer Aufmerksamkeit für immer entgehen - für die Experten ein Grund mehr, ihre Arbeit fortzusetzen. Denn das Artensterben schreitet rasant voran und viele könnten verschwinden, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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