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Zu den Kryptogamen zählen u.a Flechten, im Bild: Xanthoria parietina.

Flechten, Algen und Co. - riesige CO2-Speicher

Flechten, Algen, Moose, Farne und Pilze speichern enorme Mengen an Kohlendioxid und Stickstoff. Jährlich nehmen sie weltweit rund 50 Millionen Tonnen Stickstoff auf und binden rund 14 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, haben deutsche Forscher berechnet.

Ökologie 04.06.2012

Das sei die Hälfte des Stickstoffs in der Luft, der an Land gebunden wird. Die Kohlendioxidmenge entspreche dem, was pro Jahr weltweit durch Waldbrände und verbrannte Biomasse freigesetzt wird, berichten die Forscher um Wolfgang Elbert vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Sie werteten dazu Daten zum Vorkommen und Stoffwechsel der einzelnen Arten der als Kryptogamen (Arten, deren sexuelle Vermehrung ohne Blüte stattfindet) bezeichneten Pflanzen und Pilze aus mehr als zweihundert Einzelstudien aus.

Die Studie:

"Contribution of cryptogamic covers to the global cycles of carbon and nitrogen" von Wolfgang Elbert und Kollegen ist in "Nature Geoscience" erschienen.

Einfluss auf Klima

Die Organismen hätten indirekt Einfluss auf das Klima, teilte das Frankfurter Biodiversität- und Klimaforschungszentrum mit. Der Klimawandel könne mit ihnen zwar nicht bekämpft werden, weil das Treibhausgas Kohlendioxid lediglich wenige Jahre lang gespeichert werde. Allerdings gelange über die Organismen Stickstoff als mineralischer Dünger in den Boden. Dadurch werde das Wachstum von Pflanzen wie Bäumen angekurbelt, die Kohlendioxid langfristig speichern.

Der Untersuchung zufolge unterscheidet sich das Speicherpotenzial je nach Ort. In außertropischen Wäldern wird am meisten Kohlendioxid, durch kryptogame Schichten gespeichert, die am Boden wachsen. In den Tropenwäldern verhält es sich umgekehrt: Hier binden Flechten, Moose und Algen, die auf Pflanzen, beispielsweise deren Rinde, wachsen, das meiste CO2. Global gesehen sind die in den Wäldern der Nordhalbkugel vorkommenden kryptogamen Schichten der größte Speicher für Kohlendioxid. Hier wird auch der Löwenanteil des an Land gebundenen Stickstoffs aus der Atmosphäre fixiert.

Uralte Lebensform

Die in der Studie untersuchten Kryptogamen vermehren sich durch Sporenbildung. Sie sind eine sehr alte Lebensform. Fossilien datieren die zu dieser Gruppe zählenden Blaualgen auf etwa 2,6 bis 2,7 Milliarden Jahre zurück. Im Laufe der Zeit hat sich in der Gruppe eine beeindruckende Vielfalt an Formen, Farben und Arten herausgebildet.

Zudem sind Kryptogamen absolute Anpassungskünstler und kommen fast überall vor. Insbesondere in nährstoffarmen Ökosystemen, die extremen Bedingungen ausgesetzt sind, sind sie daher ein wichtiger Bestandteil des Stoffkreislaufs.

science.ORF.at/dpa

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