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Schräge Musik klingt nach "Hilfeschrei"

Verzerrte, schräg klingende Musik rüttelt uns wach und löst Trauer und Ängste in uns aus. Sie habe einen ähnlichen Effekt wie Hilfeschreie im Tierreich, vermuten US-Biologen von der Universität von Kalifornien in Los Angeles.

Studie 13.06.2012

Für die Untersuchung komponierten die Forscher um Daniel Blumstein mit Synthesizern zehn Sekunden lange Musikschnipsel. Darunter waren etwa solche, bei denen eine Sequenz entspannende Musik zu hören war, die dann abrupt in verzerrte Klänge überging. Andere Schnipsel bestanden ganz und gar aus ruhiger "Fahrstuhlmusik".

Alarm, Trauer und Angst

42 Studenten hörten sich die verschiedenen Stücke an und bewerteten sie. Sie fanden Schnipsel besonders wachrüttelnd, wenn Verzerrungen darin vorkamen. Außerdem verbanden sie diese Stücke eher mit negativen Emotionen wie Trauer und Angst.

Die Studie:

"The sound of arousal in music is context-dependent" ist in den "Biology Letters" erschienen.

Bei einem zweiten Durchgang des Versuchs wurden die gleichen 10-Sekunden-Stücke anderen Studenten in Verbindung mit Videos präsentiert. Die Videos zeigten belanglose Szenen - etwa Menschen, die umherlaufen oder einen Kaffee trinken. Nun verbanden die Studenten die verzerrte Musik zwar auch mit negativen Gefühlen, sie fanden sie aber nicht mehr wachrüttelnd.

Blumstein glaubt, dass der aufmerksamkeitserregende Effekt beim Hören von verzerrter Musik der Wirkung tierischer Notrufe ähnelt. So würden etwa Murmeltiere verzerrte Schreie von sich geben, wenn Gefahr im Verzug sei und sie Artgenossen warnen wollen. Dass der Wachrüttel-Effekt im zweiten Teil des Versuchs nicht mehr eintrat, erklären die Forscher damit, dass im Video keine Gefahr sichtbar gewesen sei und die Klangwirkung so neutralisiert wurde.

In einer ähnlichen Studie hatte das Team um Blumstein 2010 bereits Klang-Effekte in Filmmusiken - etwa für Horror- und Kriegsfilme - genauer unter die Lupe genommen.

science.ORF.at/dpa

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