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Eine Frau trinkt aus einer Flasche Wasser in der Hitze.

100 zusätzliche Tote durch Hitzewelle wie derzeit

Eine Hitzewelle wie derzeit verursacht pro Woche 100 zusätzliche Tote in Österreich, sagt die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. Doch die Hitzetoten würden kaum wahrgenommen, denn es sind meist alte und alleinstehende Menschen, die unbemerkt sterben.

Pro Woche 20.06.2012

Sie gibt deshalb seit einiger Zeit nicht nur Unwetter-, sondern auch Hitzewarnungen heraus, die allerdings erst teilweise genutzt werden.

"Würden so viele Menschen in einer Lawine sterben, wären TV-Teams aus aller Welt hier und würden fragen, wie man das verhindern kann", sagte ZAMG-Chef Michael Staudinger am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Längere und frühere Hitzeperioden

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Ö1 Sendungshinweis:

Über den UNO-Gipfel Rio +20 berichten auch die Ö1 Journale.

Hitzeperioden werden künftig früher einsetzen und länger dauern, zeigen die Prognosen der ZAMG, die bei der Pressekonferenz des Wissenschaftsministeriums anlässlich des heute Mittwoch, beginnenden UNO-Gipfels zur nachhaltigen Entwicklung ("Rio+20") als eines von zahlreichen Beispielen für Nachhaltigkeits- und Klimaforschung in Österreich vorgestellt wurden.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle verwies auf die "Vielfalt und Stärke" der österreichischen Forschungslandschaft in diesem Bereich, die mit dem schon lange vorhandenen ökologischen Bewusstsein in Österreich korrespondiere.

Um den Austausch zum Thema Nachhaltigkeit im Internet und in sozialen Medien zu unterstützen, wurde von Wissenschaftsministerium und Nachhaltigkeitsforschern die Homepage OpenScience4Sustainability ins Leben gerufen, die u.a. aktuelle Nachrichten rund um die "Rio+20"-Konferenz, Informationen zum Thema Nachhaltigkeit, Tipps, Veranstaltungshinweise und Links bietet. Das Ministerium ermöglicht es in diesem Sommer zudem 118 Jugendlichen, im Rahmen eines vierwöchigen bezahlten Praktikums gemeinsam mit Wissenschaftlern im Bereich Nachhaltigkeitsforschung zu arbeiten.

Zahlreiche Forschungsarbeiten

Verena Winiwarter von der Universität Klagenfurt verwies auf den selbstorganisierten Zusammenschluss österreichischer Klimaforscher zum "Climate Change Centre Austria". Zudem ist für 2013 ein "Austrian Assessment Report" über den aktuellen Forschungsstand zum Klimawandel in Österreich geplant, analog zum Bericht des Weltklimarats IPCC.

Dass man "als Blümchenzähler im Hochgebirge" wissenschaftlich überaus erfolgreich sein kann, zeigt der Ökologe Georg Grabherr, der in zahlreichen Publikationen in den angesehensten Wissenschaftsjournalen in den vergangenen Monaten die Auswirkungen des Klimawandels anhand der hochalpinen Vegetation zeigen konnte. "Drei Nature- und eine Science-Publikation in drei Monaten zeigen auch, wie wichtig gesicherte Daten zu dieser Frage sind", so Grabherr.

Noch zu wenig Umsetzung in die Praxis

In der Praxis finden die wissenschaftlichen Daten und Erkenntnisse bisher aber offensichtlich nur bedingt einen Niederschlag. So verwies Staudinger auf Frankreich, wo nach der Hitzewelle 2003 mit mehr als 15.000 Toten ein eigener Notfallplan für Hitzewellen erarbeitet wurde.

Bei entsprechender Warnung würden dort ältere bzw. pflegebedürftige Menschen, die in Wohnungen ohne Klimaanlage leben, von den Zivilschutzbehörden in kühlere Räumlichkeiten evakuiert, die Zahl der Hitzetoten habe so deutlich gesenkt werden können, so Staudinger.

In Österreich würden die Hitzewarnungen derzeit nur in einem Pilotprojekt von der steirischen Zivilschutzbehörde und Landessanitätsdienst genutzt.

science.ORF.at/APA

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