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Schemtaische darstellung des Gehirns

Ein Zentrum für Sex, eines für Liebe

Bei diesem Thema wird selbst die spröde Neurobiologie zur Pop-Disziplin. Forscher haben untersucht, wo Sex und Liebe im Gehirn zu Hause sind. Die Antwort in Kurzform: Sie haben nicht die gleiche Adresse.

Gehirn 21.06.2012

Aristoteles hielt noch das Herz für das Zentrum des Denkens und Fühlens. Heute wissen wir: Das Herz ist nur eine Saugpumpe. Allenfalls in romantischen Augenblicken fallen wir noch in den Aristotelismus zurück, ansonsten verorten wir Gefühle im Gehirn. Wo genau diese entstehen, ist wiederum eine andere Frage. Jim Pfaus hat sich dieses Problems nun angenommen - und sich nicht mit Petitessen unseres Gefühlslebens aufgehalten.

Die Studie:

"The Common Neural Bases Between Sexual Desire and Love: A Multilevel Kernel Density fMRI Analysis", Journal of Sexual Medicine (doi: 10.1111/j.1743-6109.2012.02651.x).

Der Psychologe von der Concordia University wollte wissen, welche Areale durch Sex und Liebe aktiviert werden. Das Ergebnis seiner im "Journal of Sexual Medicine" veröffentlichten Studie: Die beiden Empfindungen sind neurobiologisch klar unterscheidbar. Zwar aktivieren beide u.a. das sogenannte Striatum, doch unterschiedliche Bereiche dessen. Sexuelles Verlangen wird von Nervenaktivität in Arealen begleitet, die auch beim Essen anspringen. Und Liebe konzentriert sich wiederum auf Bereiche, die aus der Suchtforschung bekannt sind.

Natürlich wurde diese Erkenntnis schon andernorts formuliert, etwa im Pop-Business. Sarah Connor sagt: "Sex ist für mich wie Essen und Schlafen." US-Kollegin Jennifer Lopez fügt hinzu: "Ich rauche und trinke nicht. Liebe ist meine einzige Droge." Neurobiologisch betrachtet absolut korrekt.

Robert Czepel, science.ORF.at

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