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Das Gesicht eines müden Mannes.

Warum Stress depressiv macht

Negativer Stress macht schlechte Stimmung. Was wohl jeder schon am eigenen Leib erlebt hat, bestätigt nun auch die Gehirnforschung: Permanenter psychischer Druck hemmt die Aktivität eines bestimmten Gens. Die gleiche Veränderung kann man auch bei Depression beobachten.

Gehirnforschung 26.06.2012

Psychische Erkrankungen lassen das Gehirn nicht unbeeinflusst: Der Hippocampus - gleichzeitig auch das Gedächtniszentrum - schrumpft und die Nervenzellen verkümmern. Was dabei molekular passiert, war bisher weitgehend unbekannt.

Die Studie:

"Neuritin produces antidepressant actions and blocks the neuronal and behavioral deficits caused by chronic stress" erscheint zwischen 25. und 29. Juni 2012 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen (DOI:10.1073/pnas.1201191109).

Weniger Neutrin

Ein Team um den Psychiater Ronald Duman setzten Ratten immer wieder stressigen Situationen aus: Einmal bekamen sie nichts zu essen, dann wurde ihr Tag-Nacht-Rhythmus unterbrochen oder sie wurden voneinander isoliert. Die Tiere verloren darauf hin ihren Appetit und ihre Beweglichkeit, verbrachten ihre Tage stattdessen in einer Ecke sitzend.

Der Blick in ihr Gehirn enthüllte die neuronale Basis dieses Verhaltens: Im Hippocampus wurde weniger Neuritin gebildet - ein Protein, das für die Elastizität des Gehirns verantwortlich ist. Mit Hilfe von Antidepressiva machten die Forscher den Effekt rückgängig, woraufhin sich auch das Verhalten der Ratten normalisierte.

Ö1 Sendungshinweis:

Über diese Studie berichtete auch "Wissen Aktuell" am 26. Juni 2012 um 13.55 Uhr.

Die gleiche Wirkung erzielten die Wissenschaftler durch ein Virus, der die Genaktivität normalisierte. Auch in diesem Fall verschwanden die Symptome für Depressionen. Darin sehen die Forscher auch den Sinn ihrer Arbeit: Die gängigen Antidepressiva wirken nicht bei allen Patienten. Mittel, die den Neuritin-Level stabilisieren, könnten für sie eine Alternative darstellen.

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