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Die Katze Irmi liegt auf einer Decke.

Mehr Selbstmorde von Frauen wegen Katzen?

Frauen mit Katzen, die an der vom Kot der Tiere ausgehenden Toxoplasmose erkrankt waren, haben möglicherweise ein deutlich höheres Selbstmordrisiko. Dies legt jedenfalls eine Studie an rund 45.000 Frauen aus Dänemark nahe.

Medizin 05.07.2012

Danach stieg die Wahrscheinlichkeit eines Selbstmordversuchs bei Frauen, die eine Toxoplasmose durchgemacht hatten, um 50 Prozent. Noch signifikanter war der Anstieg bei Selbstmordversuchen mit hohem Gewalteinsatz.

Die Studie:

"Toxoplasma gondii Infection and Self-directed Violence in Mothers" ist am 3.7. in der Fachzeitschrift " Archives of General Psychiatry" erschienen.

Hauptwirt ist die Hauskatze

Toxoplasmose wird durch nicht ausreichend gegartes Tierfleisch und durch Katzenkot auf den Menschen übertragen. Hauptwirt ist die Hauskatze. Katzenkot kann selbst in Staubform und noch nach Jahren krankheitserregend wirken. Die Krankheit bleibt in der Regel latent, kann aber auch Lungenentzündung und Hautausschläge auslösen.

Besonders gefährlich ist die Infektion für schwangere Frauen: Der Ausbruch der Krankheit kann zu Fehlgeburten führen oder Missbildungen sowie schwere Erkrankungen des Neugeborenen verursachen. Die wissenschaftliche Bezeichnung für den Parasiten lautet Toxoplasma gondii.

"Keine Sicherheit"

"Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass T. gondii die Selbstmordversuche der Frauen verursachte", erläuterte der Forscher Teodor Postolache von der Universität von Maryland. "Wir stellten aber eine offensichtliche Verbindung zwischen der Infektion und späteren Selbstmordversuchen fest." Vertiefende Studien seien bereits geplant.

Rund ein Drittel aller Menschen infiziert sich im Laufe des Lebens mit den Toxoplasmose-Erregern. Sie bilden Antikörper heraus und in vielen Fällen wird die Erkrankung nicht als solche registriert. Der nun vorgestellten Studie zufolge steigt das Selbstmordrisiko mit dem Level an Antikörpern.

Schon seit geraumer Zeit stehen die T. gondii im Verdacht, Schizophrenie und andere Verhaltensauffälligkeiten zu verursachen.

46.000 dänische Mütter untersucht

Für die Studie wurden die Daten von knapp 46.000 dänischen Müttern verwendet, die zwischen 1992 und 1995 Kinder auf die Welt gebracht hatten. Die Neugeborenen wurden nach Antikörpern gegen T. gondii untersucht, die sie in den ersten drei Monaten ihres Lebens nicht produzieren können - ein Vorhandensein lässt also den Rückschluss zu, dass ihre Mütter damit infiziert waren.

Diese Daten brachten die Forscher in Verbindung mit Gesundheits- und Psychiatrieregistern, die über Selbstmordversuche Auskunft gaben. Dabei zeigte sich, dass die mit dem Parasiten infizierten Frauen im Vergleich zu Nicht-Infizierten ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko haben, einen Selbstmordversuch zu begehen.

Zurückliegende psychische Erkrankungen haben laut den Forschern dabei keine Rolle gespielt. Überdurchschnittlich stark ist das Risiko angestiegen für gewalttätige Selbstmordversuche wie z.B. durch Herunterstürzen oder Erschießen.

science.ORF.at/AFP/APA

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