Standort: science.ORF.at / Meldung: "Südkorea will wieder Wale jagen"

Schwanzflosse eines Pottwals

Südkorea will wieder Wale jagen

Entsetzen bei Tierschützern in aller Welt: Wie Japan will auch Südkorea zu "wissenschaftlichen Zwecken" wieder Wale jagen. Dies kündigte der Vertreter des Landes bei der Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Panama-Stadt an.

Walfang 05.07.2012

Zur Begründung verwies Kang Joon Suk auf "wissenschaftliche Untersuchungen" und "uralte Traditionen" in seinem Land.

Für "Forschungszwecke"

Die diesjährige IWC-Konferenz ist ein Desaster für Walschützer. Zum Auftakt war zunächst der Vorschlag, eine Jagdverbotszone im Südatlantik einzurichten, am Widerstand Japans gescheitert. Nun sorgte Südkorea für Aufruhr: Es sei entschieden worden, die Waljagd im Rahmen "wissenschaftlicher Untersuchungen" wieder aufzunehmen, sagte Südkoreas Chefdelegierter Kang.

Damit nutzt das Land ein Schlupfloch im Moratorium für den kommerziellen Walfang von 1986. Als Ausnahme werden darin die Tötung von Walen zu Forschungszwecken und der anschließende Verkauf des Fleisches erlaubt. Diese Regelung macht sich auch schon Japan seit Jahren zunutze.

Kang verwies in Panama-Stadt zudem darauf, dass der Verzehr von Walfleisch in Südkorea "auf uralte Zeiten zurückgeht". Wann und wie viele Wale sein Land innerhalb der eigenen Gewässer jagen wird, will Seoul erst später bekannt geben. Kang sagte, die Population der Zwergwale habe sich in den vergangenen 26 Jahren erholt.

Proteste von Naturschutz und anderen Ländern

Dieser Ansicht widersprach die Umweltschutzorganisation Greenpeace vehement. "Diese Entscheidung hat uns vollkommen überrascht", erklärte der Vertreter der Umweltschutzorganisation in Panama-Stadt. Der WWF erklärte seinerseits: "Die Wiederaufnahme des Walfangs nach einem Vierteljahrhundert wäre ein großer Rückschritt für die IWC." Seouls Entscheidung sei eine Katastrophe.

"Das ist der schlecht kaschierte Versuch Südkoreas, den kommerziellen Walfang unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Forschung wieder aufzunehmen."

Auch die Regierungen von Australien und Neuseeland protestierten gegen Südkoreas Ankündigung und wiesen ihre Botschafter an, Seoul die Bedenken ihrer Länder mitzuteilen. Australiens Regierungschefin Julia Gillard sagte am Donnerstag: "Ich bin sehr enttäuscht von Südkoreas Ankündigung. Es gibt keine Entschuldigung auch für wissenschaftlichen Walfang."

Neuseelands Außenminister Murray McGully sagte, Südkoreas Forschungspläne "werden nicht glaubwürdiger sein als das angebliche Forschungsprogramm Japans, das schon lange als verkleidete kommerzielle Waljagd erkannt wurde".

Schon jetzt hohe "Beifangquote"

Die Regierung in Seoul betonte angesichts der Kritik, dass Südkorea für die Wiederaufnahme des Walfangs von niemanden eine Zustimmung brauche. Sollte das Land aber im Rahmen des IWC-Moratoriums jagen wollen, müsste es sein Walforschungsprogramm durch Experten des IWC überprüfen lassen. Dass eine solche Prüfung vor dem nächsten Sommer vonstatten geht, ist laut Greenpeace unwahrscheinlich.

Tatsächlich erlaubt Südkorea seinen Fischern schon lange, Wale, die versehentlich als Beifang in Fischernetzen landen, auf dem Fischmarkt zu verkaufen. Internationalen Experten zufolge ist diese offizielle Beifangquote allerdings ungewöhnlich hoch: Etwa hundert Zwergwale würden jedes Jahr versehentlich in Südkoreas Gewässern gefangen, sagte Sohn Hawsun, Forscher an Südkoreas Nationalem Institut für Fischforschung und -entwicklung, der Nachrichtenagentur AFP. Der Verzehr von Walfleisch ist vor allem rund um die Küstenstadt Ulsan im Südosten des Landes populär.

science.ORF.at/AFP/APA

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