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Erde und Sonne im Weltall

Neuer Satellit soll vor Unwetter warnen

Donnerstagabend, knapp vor Mitternacht, ist der Wettersatellit "MSG-3" an Bord der Trägerrakete "Ariane-5" vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana gestartet. Er soll in Zukunft die Vorhersage extremer Wetterlagen wie Stürme und Dürren ermöglichen.

Raumfahrt 06.07.2012

"Damit werden wir eine höhere Sicherheit für kurzfristige Wetterwarnungen haben", sagte Mikael Rattenborg, der Direktor der Europäischen Organisation zur Nutzung von meteorologischen Satelliten (Eumetsat) in Darmstadt.

Mehrmals pro Stunde ein Bild

Europa, Afrika und der Nordatlantik werden aus einer Höhe von 36.000 Kilometern beobachtet. Die Satelliten können alle 15 Minuten ein komplettes Bild liefern, im Extremfall für einen kleineren Ausschnitt sogar alle fünf Minuten. Sie sind schneller und besser als die erste Satelliten-Generation.

Die Aufpasser können jetzt sogar einen Vulkanausbruch erkennen. Sie sind ein gemeinsames Projekt von Eumetsat und der Europäischen Weltraumagentur Esa, deren Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt fast benachbart zu Eumetsat ist. Ihre Daten schicken die Satelliten zu Eumetsat. Genutzt werden die Informationen von Meteorologen und nationalen Wetterdiensten.

"MSG-3" soll nach zehn Tagen seine geostationäre Umlaufbahn erreichen. Diese ersten Tage hat das Esa-Kontrollzentrum in der Hand. "Diese Startphase ist besonders kritisch, bis die Satelliten an ihrem Platz ausgesetzt sind", sagte Esa-Direktor Thomas Reiter. Am Freitag war "MSG-3" nach Plan unterwegs.

Warnungen für Flugverkehr

Die Satelliten liefern auch Daten für die besten Tage der Ernte, ob es schön wird und gegrillt werden kann. Ganz oben auf der Liste stehen aber Warnungen für Unwetter und Gefahren für den Luftverkehr. "Flughäfen können kurzfristig reagieren", sagte Rattenborg.

Wichtige Teile des neuen Wettersatelliten stammen aus Österreich. Das Unternehmen RUAG Space in Wien zeichnet für die Entwicklung und den Bau einer für den Erfolg der Mission wichtigen Elektronikeinheit, die sogenannte Pyro-Release Unit, verantwortlich.

Diese Elektronik steuert kurz nach Erreichen der vorgesehenen Satellitenbahn das Entfernen von Sicherheitsverschlüssen und Fixierelementen der Satellitenantriebe und des Hauptinstruments an Bord von MSG.

2,2 Milliarden Euro

Eumetsat betreibt gegenwärtig aus der zweiten Satelliten-Generation "Meteosat-8" und "Meteosat-9". "MSG-3" ist der dritte Satellit in dieser Reihe. Er wird vermutlich für "Meteosat-8" einspringen. Die Gesamtkosten der aus vier Satelliten bestehenden Reihe ist auf 2,2 Milliarden Euro veranschlagt. Die erste Meteosat-Generation startete 1977, die zweite 2002.

"Von der ersten zur zweiten Generation geschah ein Quantensprung", sagte Claudia Ritsert-Clark von Eumetsat. Eine dritte Generation ist schon geplant. Sie soll von 2018 an schrittweise zum Einsatz kommen und die Wettervorhersage noch einmal revolutionieren.

science.ORF.at/APA/dpa

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