Standort: science.ORF.at / Meldung: "Fernsehen macht Kinder dick"

Ein Kind sieht fern, einen Western.

Fernsehen macht Kinder dick

Eine kanadische Studie hat den Zusammenhang von Fernsehverhalten und Körpergewicht bei Kindern untersucht. Die Ergebnisse untermauern einen lang gehegten Verdacht: Kleinkinder, die viel fernsehen, sind im Alter von zehn Jahren dicker als andere Gleichaltrige.

Gesundheit 16.07.2012

Jede Stunde, die zwei- bis vierjährige Kinder wöchentlich vor dem Fernseher sitzen, schlägt sich direkt auf ihren Taillenumfang am Ende der Volksschule nieder. Auch die Sportlichkeit der Kinder nimmt ab, wenn sie schon früh viel fernsehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie von Wissenschaftlern der Universität Montreal und dem zugehörigen Saint-Justine Research Centers in Kanada.

Die Studie:

"Early childhood television viewing predicts explosive leg strength and waist circumference by middle childhood" von Caroline Fitzpatrick und Kolleginnen ist am 16.7. im "International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 16.7., 13:55 Uhr.

"Wir wussten bereits, dass es bei Kindern einen Zusammenhang zwischen dem Fernsehverhalten in der Vorschule und der Menge des Körperfetts nach der vierten Klasse Volkschule gibt", erklärt die Studienleiterin Caroline Fitzpatrick. "Aber das ist die erste Studie, die eingehend beleuchtet, was dieser Zusammenhang für die Gesundheit von Kindern bedeutet."

Vielseher machen kleinere Sprünge

Die Eltern wurden über die Fernsehgewohnheiten ihrer zwei- bis vierjährigen Kinder befragt. Dann wurde der Taillenumfang der Kleinkinder gemessen und ihre körperliche Fitness getestet. Die Kinder mussten beispielsweise einen Weitsprung aus dem Stand machen. In der Folge wurden die Eltern und Kinder von den Wissenschaftlern weiter begleitet und befragt.

Ein Ergebnis zeigt: Jede Stunde Fernsehkonsum eines Zweijährigen korrespondiert direkt mit der Fähigkeit des Kindes weit zu springen. Die Wissenschaftler konnten eine Abnahme von 0,3 Zentimeter pro wöchentlicher Fernsehstunde beobachten.

Für Caroline Fitzpatrick hat das langfristige Konsequenzen: "Ob Kinder auch später Sport betreiben, hat viel damit zu tun, ob sie sich schon in jungen Jahren selbst als athletisch wahrnehmen. Denn in dieser Zeit kristallisieren sich bereits die bevorzugte Aktivitäten und Hobbys heraus. Gute sportliche Leistungen in der Kindheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen auch im Erwachsenenalter Sport betreiben."

Zu viel Fernsehen, zu wenig Sport

Die 1.314 Kleinkinder, die beobachtet wurden, haben im Alter von zwei Jahren durchschnittlich fast neun Stunden pro Woche ferngesehen. Jede weitere Stunde, die dann im Lauf der Zeit hinzukommt, schlägt sich auf das Gewicht der Kinder nieder und zwar mit einem um 0,3 Millimeter größeren Bauchumfang pro Stunde. Bei Kindern, die im Alter von viereinhalb bereits 18 Stunden in der Woche vor dem Fernseher sitzen, sind es mit zehn Jahren bereits 7,6 Millimeter mehr.

Linda Pagani, Co-Autorin der Studie, weist auf ein weiteres Problem hin, das der starke Fernsehkonsum der Kleinkinder mit sich bringt: "Das Fernsehen ersetzt bei den Kindern nicht nur alle möglichen sportlichen oder pädagogisch wertvollen Aktivitäten durch ungesundes Herumsitzen. Es bringt den Kindern auch eine ungesunde Ernährungsweise bei. Denn dort wird hauptsächlich Essen präsentiert, dass man schnell zubereiten kann und das viele Kalorien hat."

Laut Amerikanischer Akademie der Kinderärzte sollten Kinder zwischen zwei und zehn Jahren nicht mehr als zwei Stunden am Tag fernsehen. Die Ergebnisse der Studie stützen diese Empfehlung, betonen Caroline Fitzpatrick und Linda Pagani: "Diese Erkenntnisse untermauern den klinischen Verdacht, dass die Zunahme des Fernsehkonsums in unserer Gesellschaft auch zum Anstieg der Adipositas beigetragen hat. Die Studie liefert zudem wichtige Hinweise, wie Übergewicht bei Kindern effektiv beseitigt werden kann."

Marlene Nowotny, science.ORF.at

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