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Ein Fotograf in der Abendsonne

Job des Vaters prägt Gesundheit des Kindes

Der Beruf von Vätern wirkt sich auf die Gesundheit ihrer Kinder aus: Das geht aus einer US-Studie zu Geburtsfehlern hervor. Während es bei rund einem Drittel aller Berufe keinen Zusammenhang mit dem Wohlergehen der Sprösslinge gibt, sind einige Sparten besonders gefährdet - dazu zählen Künstler, Fotografen und Landschaftsgärtner.

Medizin 18.07.2012

Worin die Verbindung genau besteht, kann ein Team um die Medizinerin Tania Desrosiers von der University of North Carolina in Chapel Hill nicht genau beantworten. Chemische Umwelteinflüsse zur Zeit der Befruchtung stehen aber ganz oben auf der Liste möglicher Antworten.

Zusammenhang bei Müttern

Dass die Umweltbedingungen, unter denen ein Kind im Mutterleib heranwächst, mit seiner Entwicklung und seinem Zustand bei der Geburt zu tun haben, ist offensichtlich. Wenn Mütter körperlichen oder seelischen Stress haben, wirkt sich das ebenso aus, wie ihre unmittelbare physische Umgebung, etwa wenn sie chemischen Schadstoffen ausgesetzt sind.

Ein Parameter, um diese Umweltbedingungen statistisch handhabbar zu machen, ist der Beruf. Bereits vor vier Jahren haben Forscherinnen deshalb in einer Studie untersucht, wie Fehlbildungen von Kindern bei der Geburt mit dem Beruf ihrer Mütter zusammenhängen.

Bei einigen Berufsgruppen wie Wissenschaftlerinnen, Arbeiterinnen in der Elektroindustrie und Raumpflegerinnen entdeckten sie einen solchen Zusammenhang. Bei anderen wie z.B. Lehrerinnen und in der Gesundheit Beschäftigten war dies hingegen nicht der Fall.

"Sichere Jobs": Architekten, Fischer, Soldaten

Die Datenbasis dieser Studie stammte wie bei der aktuellen von der "National Birth Defects Prevention Study" (NBDPS), der größten amerikanischen Studie über die Ursachen von Geburtsfehlern. Nun stand aber nicht die Profession der Mütter im Mittelpunkt, sondern jene der Väter. Rund 10.000 Einzelfälle von Vätern, deren Kinder zwischen 1997 und 2004 mit Defekten auf die Welt gekommen waren (oder dabei starben), verglichen Tania Desrosiers und ihre Kollegen mit 5.000 Vätern gesunder Kinder.

Sie ermittelten die Beschäftigung, die die Männer in den Monaten rund um die Empfängnis ausgeübt hatten, und formten dann 63 Berufs-Cluster. Diese brachten sie statistisch in Zusammenhang mit ebenfalls rund 60 Kategorien von Geburtsfehlern. Es zeigte sich, dass rund ein Drittel aller väterlichen Jobs das Gesundheitsrisiko der Kinder in keiner Weise erhöht. Zu diesen "sicheren Berufen" zählen u.a. Architekten, Designer, Zahnärzte, Feuerwehrmänner, Fischer, Autobauer, Steinmetze, Maler, Glasbläser, Soldaten und Lokführer.

Riskant: Künstler, Fotografen, Landschaftsgärtner

Bei den anderen Berufen entdeckten die Forscher hingegen statistische Zusammenhänge, bei einigen von ihnen sogar mit drei oder mehr Kategorien von Geburtsfehlern. Dazu gehören Mathematiker, Physiker und Computerwissenschaftler (die zu einer Berufsgruppe zusammengefasst wurden), Künstler, Fotografen, in der Gastronomie Beschäftigte, Landschaftsgärtner, Friseure, Drucker, Kranführer, Fahrer sowie Angestellte in der chemischen bzw. gas- und ölverarbeitenden Industrie.

Besonders aufschlussreich seien Väterberufe, die sich in mehrfacher Hinsicht negativ auf denselben Körperteil auswirken. Kinder von Fotografen etwa haben ein höheres Risiko gleich für drei verschiedene Augenfehler, Landschaftsgärtner und Platzwarte gleich für drei Arten von Magen-Darm-Schäden. Dies spreche für einen sehr frühen schädlichen Einfluss von Umweltbedingungen, etwa in Form von Strahlen oder chemischen Substanzen, die auf das männliche Sperma einwirken.

Am stärksten scheint dies auf die Künstler zuzutreffen, deren Beruf mit den meisten Fehlbildungen ihrer Kindern in Zusammenhang steht (darunter Lippen- bzw. Gaumenspalten sowie eine Reihe von Ohr-, Augen-, Magen- und Darm-Missbildungen) - ein bisher in der Medizin vernachlässigter Umstand, wie die Forscher betonen. Ursache für diesen "Künstler-Malus" könnte sein, dass einige von ihnen in ihrer Arbeit mit Lösungsmitteln oder Blei in Kontakt geraten, was schon laut früheren Studien zu Geburtsfehlern beitragen kann.

Organische Lösungsmittel im Fokus

In der aktuellen Studie konnten Desrosiers und ihr Team nicht auf die konkreten Ursachen für die Gesundheitsprobleme der Neugeborenen eingehen. Sie verweisen aber immer wieder auf die Wichtigkeit organischer Lösungsmittel wie Benzol, Aceton oder Heptan, die die werdenden Väter rund um die Befruchtung via Haut oder Atem aufgenommen haben. Eine zeitgleich in der gleichen Fachzeitschrift erschienene Untersuchung bestätigt diese Annahme.

Dabei haben Suzanne Gilboa von der NBDPS und Kollegen die Arbeitsbedingungen von 5.000 Frauen untersucht, deren Kinder Geburtsfehler im Herzbereich hatten. Verschiedene organische Lösungsmittel wie chlorierte Kohlenwasserstoffe oder Testbenzin standen demzufolge in Verbindung mit angeborenen Herzfehlern wie z.B. einem Loch in der Herzscheidewand oder einer Verengung der Hauptschlagader.

Für die Väterstudie wurden derartige Zusammenhänge nicht untersucht: Sie gibt aber Hinweise, welche Berufsgruppen in Zukunft genauer unter die Lupe genommen werden sollten.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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