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Grapefruit macht Krebstherapie effektiver

Grapefruitsaft erhöht die Wirkung mancher Krebsmedikamente, hat eine aktuelle Studie ergeben. Patientinnen und Patienten könnten somit mit niedrigeren Dosen behandelt werden, wodurch sich Nebenwirkungen reduzieren ließen.

Medizin 08.08.2012

Ein Glas Saft pro Tag

Ein Gläschen Grapefruitsaft pro Tag könnte Krebspatienten und -patientinnen das Leben erleichtern. Denn die Betroffenen leiden meist unter Übelkeit, Brechreiz und Durchfall durch die Medikamente. Würde eine niedrigere Dosis zum Bekämpfen des Tumors reichen, ließen sich auch die Nebenwirkungen reduzieren.

Die Sudie

" Phase I Studies of Sirolimus Alone or in Combination with Pharmacokinetic Modulators in Advanced Cancer Patients" ist in der aktuellen Ausgabe von "Clinical Cancer Research" erschienen (Abstract, sobald online).

Genau diesen Effekt hat nun eine Gruppe um den Onkologen Ezra Cohen vom University of Chicago Medical Center festgestellt. Knapp 230 Gramm Grapefruitsaft pro Tag haben den Blutspiegel eines Krebsmedikaments bei den untersuchten Patientinnen und Patienten mehr als verdreifacht. Durch den höheren Gehalt des Mittels im Blut reichen kleinere Dosen aus, um den gewünschten Effekt gegen einen Tumor zu erzielen.

Einfluss auf den Stoffwechsel

Der Grund dafür liegt in der Wirkung der Grapefruit auf die Verdauung. Grapefruitsaft blockiert Enzyme, die im Darm das Medikament aufspalten. Dies lässt sich auch durch den Arzneistoff Ketoconazol erzeugen, Grapefruitsaft hat aber den Vorteil, nicht giftig zu sein und daher keine Gefahr einer Überdosis darzustellen.

Ö1-Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch Wissen Aktuell am 8.8. um 13:55.

In der Studie wurden 138 Krebspatientinnen und -patienten mit einem unheilbaren Krebs behandelt, für die bisher keine erfolgreiche Therapie gefunden wurde. Untersucht wurde das Medikament Sirolimus. Es wurde zunächst entwickelt, um das Abstoßen von Organen nach Transplantationen zu verhindern, hat aber auch positive Effekte in der Krebstherapie.

Das Mittel ist auch unter dem Namen Rapamycin bekannt. Es stammt aus einem Bakterienstamm, der auf der Insel Rapa Nui, der Osterinsel, vorkommt. Neben der positiven Wirkung bei Organtransplantationen und in der Krebstherapie wird dem Stoff ein lebensverlängernder Effekt nachgesagt, er gilt als eines der "Wundermittel" des Anti-Aging.

Saft ist nicht gleich Saft

Dieser Effekt des Grapefruitsafts könnte nicht nur die Therapie für die Patientinnen und Patienten angenehmer gestalten, sondern auch die Kosten der Therapie reduzieren, da weniger von dem Medikament eingesetzt werden muss.

Doch Grapefruitsaft ist dabei nicht Grapefruitsaft, schreiben die Studienautoren. Bei einem ersten Test haben sie festgestellt, dass die aktiven Inhaltsstoffe im in Dosen verpackten Saft eines bestimmten Herstellers nicht vorhanden waren. Daher wechselten die Forscherinnen und Forscher auf ein gefrorenes Konzentrat einer anderen Firma, das die für den positiven Effekt notwendigen Stoffe enthielt.

Zwiespältige Frucht

Von der aktuellen Studie abzuleiten, dass Grapefruitsaft in jedem Fall positiv wirkt, wäre aber verfehlt. So hat zum Beispiel eine Studie aus dem Jahr 2007 ergeben, dass Frauen, die täglich Grapefruits essen, ein höheres Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken, weil die Frucht ein Molekül blockiert, das den Östrogenhaushalt regelt. Der Östrogenspiegel steigt und damit auch das Krebsrisiko. Andererseits kann der hohe Vitamin-C-Gehalt der Grapefruit gegen Entzündungen des Zahnfleisches schützen, wie eine Studie im Jahr 2005 ergab.

Tödliches Risiko

Doch bei der Kombination von Grapefruits und Medikamenten scheint allgemein Vorsicht geboten. Dass Inhaltsstoffe der Früchte im Darm Enzyme blockieren, die Medikamente aufspalten, kann auch fatale Folgen haben. Denn der Genuss von Grapefruits kann die Wirkung vieler Medikamente auch negativ beeinflussen. Dazu zählen unter anderem: Antibiotika, Antidepressiva, Herzmittel, Schmerzmedikamente, Immunsuppressiva und die Anti-Baby-Pille.

Ärztinnen und Ärzte haben schon vor einigen Jahren von Fällen berichtet, dass Menschen an der Kombination eines Medikaments und der Einnahme von Grapefruitsaft gestorben sind, weil Nierenschäden aufgetreten sind. Auch Herzschäden sind möglich. Mit der aktuellen Studie wollten die Forscherinnen und Forscher herausfinden, ob sich der Effekt der Grapefruit unter kontrollierten Bedingungen auch positiv nutzen lässt.

Mark Hammer, science.ORF.at

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