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Szene zwischen zwischen SK Rapid Wien und FK Austria Wien, zwei Spieler kämpfen um einen Ball

Gleich starke Spieler foulen öfters

Spieler von Rapid und Austria Wien foulen einander öfter als ihre Gegner aus Wiener Neustadt und Innsbruck. Und das hat nicht unbedingt mit traditioneller Rivalität zu tun, wie man aus einer neuen Studie schließen kann. Ähnlich starke Kontrahenten kämpfen ihr zufolge besonders hart und aggressiv gegeneinander.

Psychologie 15.08.2012

Das gilt offenbar nicht nur für Individuen, sondern auch für Gruppen. Ein Forscherteam um Gert Stulp von der Universität Groningen untersuchte Fußballspiele der deutschen Bundesliga und Basketballspiele in den USA. Und tatsächlich: Mannschaften, die in der Tabelle nah beieinanderstanden, erspielten oft sehr knappe Ergebnisse und foulten häufiger.

Die Studie:

"Increased aggression during human group contests when competitive ability is more similar" von Gert Stulp et al. ist am 14.8. in den "Biology Letters" erschienen.

Finken, Ameisen, Menschen

Tiere nehmen laut den Forschern vor einem Kampf - zum Beispiel im Streit um Futter - ihren potenziellen Gegner genau unter die Lupe. So erhöhen sie die Chance zu gewinnen und verringern das Risiko einer Verletzung.

"Wenn etwa weibliche Hausfinken gegeneinander kämpfen, eskaliert das besonders, wenn beide Kontrahenten gleich groß sind", schreiben die Wissenschaftler. Beispielsweise Rote Waldameisen verschonen dagegen deutlich schwächere Gegner. Und auch Menschen passten ihre Kampfstrategie ihren Ressourcen, ihren Fähigkeiten an.

Gilt für Individuen und Gruppen

Doch ist so ein Verhalten auch auf ganze Gruppen übertragbar? Gert Stulp und sein Team analysierten dazu 1.530 Spiele der deutschen Fußballbundesliga aus den Spielzeiten 2004/2005 und 2008/2009. Außerdem untersuchten sie 1.230 Basketballspiele der NBA - der höchsten US-amerikanischen Basketball-Liga - der Saison 2009/2010.

Spielte der Tabellenführer der Bundesliga gegen den Letzten, begingen die Fußballer etwa zwölf Prozent weniger Fouls als die Teams, die in der Tabelle nah beieinanderstanden. Ähnlich starke Mannschaften begingen durchschnittlich 39,15 Fouls pro Match.

Etwas weniger deutlich war es bei den Basketballern. Ähnlich platzierte Teams foulten sich in einem Spiel im Schnitt 42,36 Mal - um etwa vier Prozent häufiger als sehr unterschiedlich starke Mannschaften.

Liegt es am Testosteron?

Auf der Suche nach Gründen für die Unterschiede verweist das Team auf eine Studie der Wissenschaftler Nick Neave und Sandy Wolfson aus dem Jahre 2003. Sie schrieben, dass ein als gut eingestufter Gegner den Testosteronspiegel von Fußballern erhöhe - und so aggressiv mache. Ähnlich starke Mannschaften empfinden sich wohl eher als gefährliche Rivalen.

Bleibt die Frage, inwieweit sich ein sportlicher Wettkampf mit dem Wettbewerb im Tierreich vergleichen lässt. Die Forscher betonen, dass die Aggression von Sportlern durch Regeln und Schiedsrichter eingeschränkt sei. Doch Grundlage des Sports seien auch Konkurrenzdenken und die "Fähigkeit zur Kriegsführung" - Fähigkeiten, die Menschen und Tiere wohl für die Jagd entwickelt hätten.

science.ORF.at/dpa

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