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Giraffenmutter

Auch Giraffen trauern

Von Schimpansen und Elefanten ist bekannt, dass sie Mitgefühl im Umgang mit ihren Toten zeigen. Sie sind vermutlich nicht die Einzigen: Auch Giraffenmütter könnten um ihren Nachwuchs trauern, schreibt nun ein Biologe in einer aktuellen Studie.

Verhalten 24.08.2012

Der US-Verhaltensforscher Fred Bercovitch vom Primatenforschungszentrum der japanischen Kyoto University spürte kürzlich Thornicroft-Giraffen im "South Luangwa National Park" in Sambia nach. Dabei beobachtete er eine Giraffenkuh, wie sie ihre Beine spreizte, um sich ihrem toten Baby zu nähern. Sie beschnupperte ihr Kalb, leckte es mehrmals ab und stieß es immer wieder an. Zwei Stunden untersuchte die Mutter ihren Nachwuchs, ehe sie dann verschwand.

Die Studie:

"Giraffe cow reaction to the death of her newborn calf" von Fred Bercovitch ist am 18.August im "African Journal of Ecology" erschienen.

Ungewöhnliches Verhalten

Ihr Verhalten gilt als ungewöhnlich unter diesen Säugetieren. Weibliche Giraffen sind dafür bekannt, keine enge Bindung zu ihren Kindern zu haben. Sie verbringen auch kaum Zeit abseits der Gruppe. Zudem spreizen diese Tiere ihre Beine nur, um zu essen und zu trinken. Auch ist es unüblich, dass sie am Boden liegende Objekte inspizieren.

Das ist eine von drei Beobachtungen möglichen Trauerverhaltens, die Bercovitch nun in einer Studie analysiert hat. Seine Ergebnisse publizierte er im Fachjournal "African Journal of Ecology".

Bei den anderen beiden Fällen verhielten sich Giraffenkühe ebenfalls atypisch. 2010 trug sich ein Vorfall im "Soysambu Conservancy" in Kenia zu. Dort sah die Biologin Zoe Muller eine Rothschild-Giraffe, wie sie abwechselnd mit siebzehn anderen Giraffenkühen ihr totes Baby vier Tage lang bewachte. Das Kalb war einige Zeit nach der Geburt verstorben - möglicherweise reagieren die Tiere anders, je nachdem wie viel Zeit sie mit ihren verstorbenen Nachkommen verbracht hatten. Wissenschaftler haben dieses Verhaltensmuster jedenfalls bei Schwarzen Stumpfnasenaffen beobachtet.

2011 berichteten Forscher von einem Fall in Namibia, bei der eine Herde von Giraffen bei einer Stelle Halt machten, an der drei Wochen vorher eine junge weibliche Artgenossin verstorben war. Ein Giraffenbulle spreizte seine Beine und beschnüffelte das tote Tier, vier Herdenmitglieder taten es ihm gleich.

Stärkere Bindung als angenommen

Studienautor Bercovitch sieht in den Beobachtungen einen möglichen Beweis dafür, dass Giraffen eine Vorstellung von Leben und Tod haben und um ihren Nachwuchs trauern. "Es zeigt sich, dass ihr Verhalten eine stärkere Bindung mit ihren Nachkommen belegt, als bisher angenommen", sagte der Forscher. Dennoch seien weitere Beobachtungen nötig, um diese These zu festigen, so Bercovitch.

Schimpansen tragen Leichen

Bei Elefanten und Schimpansen haben Wissenschaftler bereits nachgewiesen, dass sie um ihre Toten trauern. Elefanten versuchen etwa, sterbende Artgenossen zum Aufstehen zu bewegen. Sie inspizieren auch tote Herdenmitglieder mit ihrem Rüssel und trompeten dabei aufgeregt. Zudem bewachen sie oft den Kadaver für eine lange Zeit.

Schimpansen hingegen tragen in der Regel ihre toten Jungen herum. Je älter ihr Nachkomme war, desto länger dauert dieses Verhalten. Sie streicheln auch sterbende Artgenossen und besuchen Orte eine Zeit lang nicht, an denen kürzlich ein anderer Schimpanse verstorben war.

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