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Zwei Mädchen reiten auf zwei Pferden in den Sonnenuntergang

Ein Gen für den Extragang

Trabrennpferde und Islandpferde haben laut Biologen eines gemeinsam: Sie tragen eine Mutation in ihrem Erbgut, die sie zu ungewöhnlichen Gangarten befähigt. Das entsprechende Gen steuert Neuronen im Rückenmark.

Pferde 30.08.2012

Schritt, Trab und Galopp - das sind die drei klassischen Gangarten von Pferden. Aber es gibt derer noch mehr. Etwa den Tölt (Schrittfolge: hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts) und den Pass (Schrittfolge: vorne plus hinten links, vorne plus hinten rechts). Letzteren beherrschen neben Pferden auch andere Tierarten, Elefanten beispielsweise. In höherem Tempo ist die Sache allerdings Spezialisten vorbehalten.

Selbst unter Islandpferden, die für ihre extravaganten Laufstile bekannt sind, ist nicht jedes Tier zum sogenannten Rennpass fähig. Das hat genetische Gründe, berichten nun Forscher im Fachblatt "Nature". Wie ein Team um Leif Andersson von der schwedischen Universität Uppsala herausgefunden hat, liegt die Ursache im Gen DMRT3.

Reiter auf Islandpony

Freyja Imsland

Islandpferd im Rennpass

Träger einer Mutation in diesem Erbfaktor besitzen offenbar erweiterte koordinative Fähigkeiten im Vergleich zu ihren Artgenossen. Die Mutation ist sich nicht nur bei den erwähnten Islandpferden verbreitet, sie findet sich auch im Erbgut der Tennessee Walking Horses aus den USA sowie bei der südamerikanischen Paso-Fino-Rasse (die beide, wie die Islandpferde, zu den "Gangpferden" gehören). Und: Die Mutation ist auch bei Trabrennpferden üblich, anscheinend hemmt sie bei höheren Tempi den natürlichen Übergang zum Galopp.

Wie das vor sich geht? Im Rückenmark sitzen bestimmte Neuronen, in denen DMRT3 aktiv ist. Sie bilden Schaltkreise und greifen in die Koordination der Beinmuskulatur ein. Letzteres wurde zwar erst an Mäusen nachgewiesen, das Gen dürfte aber bei allen Wirbeltieren eine ähnliche Rolle spielen, sagt Andersson. Wann die entsprechende Mutation bei Pferden erstmals aufgetreten ist, wissen die Forscher nicht. Ihre Vermutung: vor ein paar Tausend Jahren.

Robert Czepel, science.ORF.at

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