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Rhesusaffe beim Fressen

Affen auf Diät leben nicht länger

Eine 23 Jahre lange US-Studie Rhesusaffen findet keinen lebensverlängernden Effekt für kalorienarme Kost. Die Affen auf Diät waren zwar dünner als die Kontrolltiere - das hatte aber keine deutlichen Auswirkungen auf ihre Lebenserwartung.

Langzeitstudie 30.08.2012

Das US-amerikanische National Institute on Aging (NIA) hatte die Langzeitstudie mit Rhesusaffen (Macaca mulatta) 1987 begonnen. Die zentrale Frage war: Leben die Rhesusaffen länger, wenn sie jahrelang auf Diät gesetzt sind, so wie es bei Mäusen und Ratten schon mehrfach nachgewiesen wurde?

"Weder Männchen noch Weibchen profitierten"

Die Studie

"Impact of caloric restriction on health and survival inrhesus monkeys from the NIA study", Nature (doi: 10.1038/nature11432).

Nachlese in Nature News: "Calorie restriction falters in the long run"

Ö1-Sendungshinweis

Über diese Studie berichtet auch "Wissen aktuell", Do., 30.8., 13:55 Uhr.

Wenn die Primaten in Gefangenschaft leben und genug zu futtern bekommen, werden sie im Durchschnitt 27 Jahre alt; einzelne Tiere leben sogar 40 Jahre. "Eine Diät mit 30 Prozent weniger Kalorien hat in jüngeren und älteren Rhesusaffen die Überlebensfähigkeit nicht verbessert", schreibt nun das Team um den Experimental-Gerontologen Rafael de Cabo vom NIA in einer Studie.

In einer ersten Untersuchungsgruppe waren die Tiere bereits zu Beginn der Studie 16 bis 23 Jahre alt. Die asketisch lebenden Tiere hätten insgesamt nicht länger gelebt als die Tiere in der Kontrollgruppe, schreiben die Forscher. "Weder Männchen noch Weibchen profitierten von der Kalorienreduktion."

Nichtsdestotrotz habe es Super-Greise in der Untersuchungsgruppe gegeben: Von den Tieren, die spät auf Diät gesetzt wurden, lebten vier länger als 40 Jahre; in der Kontrollgruppe gelang das einem Tier. "Die Kalorienreduktion hat aber weder die durchschnittliche noch die maximale Lebensspanne im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöht. Diese Affen scheinen von der exzellenten Pflege profitiert zu haben."

Dennoch: Gesundheit verbessert

In einer zweiten Untersuchungsgruppe wurden 86 Rhesusaffen ab einem Alter von einem bis 14 Jahren beobachtet: Von 40 auf Diät gesetzten Tieren seien bislang 8 (20 Prozent) an Alterskrankheiten gestorben, von den 46 nicht hungernden Kontroll-Tieren 11 (24 Prozent).

Abgesehen von dem recht kleinen Unterschied seien diese Zahlen noch nicht endgültig, schreiben die Forscher. "Die meisten der noch lebenden Tiere werden in den kommenden zehn Jahren sterben. Die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein signifikant anderer Effekt auf das durchschnittliche Überleben auftreten wird, ist sehr gering."

Dennoch: Umsonst war das Hungern nicht. Die Diät habe nämlich Vorteile für die Gesundheit gebracht. Die wenig fressenden Tiere bekamen zum einen später Alterskrankheiten. Zum anderen sei unter den mageren Tieren aus der jüngeren Gruppe auch die Immunantwort auf eine Entzündung in der Mundhöhle besser gewesen und Krebs sei seltener aufgetreten.

Das Team verweist jedoch darauf, dass seine Ergebnisse einer anderen Studie widersprechen. Eine derzeit noch laufende Studie am Wisconsin National Primate Research Center habe in ersten Ergebnissen einen lebensverlängernden Effekt einer 30-prozentigen Kalorienreduktion bei Rhesusaffen entdeckt.

science.ORF.at/dpa

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