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Gerstenähren auf dem Feld

Forscher: Bioenergie keine nachhaltige Lösung

Bioenergie wird gerne als ökologisch und klimatisch verträgliche Alternative gehandelt - zu Unrecht, wie nun 20 Forscher in einem Bericht der deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina schreiben.

Bericht 31.08.2012

Bioenergie sei im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen häufig mit höheren Treibhausgasemissionen verbunden und könne zudem die Umwelt belasten. Man solle Bioenergie daher nicht weiter ausbauen und sich auf Formen beschränken, die nicht mit Nahrungsmitteln konkurrieren sowie "eine substanziell bessere Treibhausgas-Bilanz als die fossile Energie vorweisen können."

Plädoyer für Sonnen- und Windenergie

Bioenergie stammt aus nicht-fossiler Biomasse von Pflanzen und Algen. Sie entsteht, wenn man Biomasse direkt verbrennt oder daraus hergestellte Treibstoffe wie Biogas, Biodiesel oder Bioethanol.

Ein Hauptmotiv für die Verwendung von Bioenergie sei es, die CO2-Emissionen zu reduzieren und den Klimawandel zu mildern, schreiben die Wissenschaftler, darunter der Österreicher Helmut Haberl vom Wiener Institut für Soziale Ökologie der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, in der Stellungnahme.

Von den alternativen Energietechniken trage die Bioenergie aber am wenigsten zur Treibhausgas-Reduktion bei, und der Preis je eingesparter Tonne CO2 sei der höchste. Daher solle man sich auf andere erneuerbare Energiequellen konzentrieren, und Sonnenenergie über Solarzellen, Sonnenkollektoren und Windenergie nutzen.

Den weiteren Ausbau der Bioenergie halten die Wissenschaftler für nicht erstrebenswert. Deutschland sollte darauf drängen, das EU-2020 Konzept zu überdenken, wonach zehn Prozent des Treibstoffes für Transportzwecke aus Biomasse stammen sollen.

"Konkurrenz mit Nahrungsmitteln vermeiden"

Das größte Potenzial für Bioenergie könnte man erschließen, indem man die Nahrungsmittel- und Energieproduktion kombiniert. So könnten etwa Mist und Gülle aus der Tierhaltung, Lebensmittelabfälle und pflanzliche Reststoffe zur Energiegewinnung verwendet werden.

Die Herstellung von Biotreibstoffen aus Zucker, Stärke und Pflanzenölen sei nicht zu empfehlen, denn sie würde mit der Herstellung von Nahrungsmitteln konkurrieren. In China sei etwa die Produktion von Ethanol und Butanol aus essbaren Pflanzen bereits verboten. Auch erwarten die Wissenschaftler, dass bei der Verbrennung von Biokraftstoffen deutlich mehr giftige Abgasen entstehen, die man mit neu entwickelten Katalysatoren entgiften müsste.

Pflanzliche Biomasse sei als Energiequelle nicht unbeschränkt verfügbar. In den meisten EU-Ländern sei man bereits auf Importe angewiesen. Eine Intensivierung der Landwirtschaft könnte nicht mit dem Bedarf mithalten und würde mit "erheblichen ökologischen Risiken einhergehen", schreiben die Forscher.

So würden Düngung, Landbearbeitung und Nutztierhaltung direkt und indirekt zur Emission von Treibhausgasen führen. Auch die Weltmeere seien kaum geeignet, in größerem Maßstab als Quelle für Bioenergie zu dienen, denn sie beherbergen zu wenig Pflanzenmasse. Während Landpflanzen insgesamt etwa 650 Milliarden Tonnen Kohlenstoff binden, seien es bei Meeresalgen bloß drei Milliarden Tonnen.

Wasserstoff: Energieträger der Zukunft?

Ein wichtiger Energieträger könnte in Zukunft Wasserstoff sein, der durch Spaltung von Wasser mithilfe von Sonnenlicht hergestellt wird, denn beides sei nahezu unbegrenzt verfügbar, so die Wissenschaftler.

Bei seiner Verwendung zur Herstellung von Wärme oder Elektrizität würde lediglich Wasser entstehen. Allerdings wird er derzeit nicht nachhaltig produziert, über 90 Prozent stammen aus fossilen Quellen. Ob Wasserstoff in Zukunft mit natürlicher oder künstlicher Photosynthese im notwendigen Maßstab umweltfreundlich hergestellt werden kann, sei offen und ein vielversprechendes Forschungsgebiet.

science.ORF.at/APA

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