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Patient im Krankenbett

Resistenzen stammen aus dem Boden

Antibiotika-Resistenzen sorgen vor allem in Krankenhäusern zunehmend für Probleme. Forscher haben nun eine mögliche Quelle entdeckt: Die entsprechenden Gene könnten von Bodenbakterien stammen.

Bakterien 03.09.2012

"Ökologen haben schon länger vermutet, dass der Boden ein Reservoir für Resistenzen ist", sagte Jo Handelsman von der Yale University kürzlich gegenüber der Zeitschrift "Science". "Aber bis vor kurzem gab es keine Beleg dafür."

Die Studie

"The Shared Antibiotic Resistome of Soil Bacteria and Human Pathogens", Science (doi: 10.1126/science.1220761).

Die liefert nun eine aktuelle Studie ihres Fachkollegen Gautam Dantas. Der Pathologe von der Washington University hat mit seinen Kollegen mehr als 100 Gene entdeckt, die sowohl in Bodenbakterien als auch in typischen Krankheitserregern vorkommen - und beide gegenüber Antiobiotika unempfindlich machen. 18 davon waren zu 100 Prozent ident, wie er im Fachblatt "Science" schreibt.

Was darauf hinweist, dass es tatsächlich einen Genaustausch zwischen beiden Mikrobengruppen gegeben hat. Zwar ist es wahrscheinlich, dass die Gene von den Bodenbakterien zu Krankheitserregern wie etwa Escherichia coli oder Staphylococcus gewandert sind. Es könnte aber auch das Umgekehrte zutreffen. "Es ist schwer zu sagen, wer sie von wem bekommen hat", sagt Dantas. "Unsere Arbeit sagt nichts über die Richtung des Austausches."

Dantas hat auch herausgefunden, dass die Resistenzgene zur "Verklumpung" neigen. Sie sitzen an benachbarten Orten im Genom und werden dort oft von Sequenzen flankiert, die Genetiker "mobility units" nennen. Diese ermöglichen es den Genen, sich als Paket zu bewegen und gegebenenfalls in ein anderes Erbgut zu emigrieren. "Ein Krankheitserreger könnte auf diese Weise mit einem Schlag gegen fünf Antibiotika resistent werden", sagt Dantas.

Robert Czepel, science.ORF.at

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