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Mikroskopiebild des neuen 3D-Zellkultursystem: Lymphgewebezellen bilden auf Mikrokügelchen Zellaussprossungen

Cholesterinsenker gegen Krebs

Statine werden üblicherweise bei Menschen eingesetzt, die unter Störungen ihres Fettstoffwechsels leiden und deshalb ihre Cholesterinwerte senken wollen. Laut einer aktuellen Studie hemmen sie aber auch die Bildung neuer Lymphgefäße und könnten somit auch für die Krebstherapie interessant sein.

Medizin 04.09.2012

Einige Tumoren schütten Stoffe aus, die das Wachstum von Lymphgefäßen zum Tumor zu fördern. Bisher gibt es in der Klinik jedoch keine Medikamente, die dieses Wachstum zuverlässig unterdrücken, wie die ETH Zürich am Montag in einer Aussendung schrieb.

Mit einem neuen, automatisierten Zellkulturverfahren hat das Team um Michael Detmar, Professor für Pharmakogenomik an der ETH Zürich, nun diverse neue Kandidaten hierfür ausfindig gemacht - darunter die Cholesterinsenker Statine.

Die Studie:

"Phenotype-based high-content chemical library screening identifies statins as inhibitors of in vivo lymphangiogenesis"von Michael Detmar und Kollegen ist am 3.9 in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen (sobald online).

Prophylaktische Behandlung?

Statine gehören zu den weltweit am meisten verwendeten Medikamenten und werden bei Patienten mit Herzkreislaufproblemen eingesetzt, um das Fortschreiten einer Arteriosklerose zu verhindern.

Bei dem neuen Verfahren wuchsen Lymphgefäßwand-Zellen aus menschlicher Haut nicht wie üblich in einer flachen Plastikschale, sondern in einem dreidimensionalen Gerüst aus Kunststoffkügelchen. Damit testeten die Wissenschaftler an über 1.000 Substanzen, ob sie das Wachstum von Lymphgefäßen hemmen - ein Vielfaches dessen, was herkömmliche Verfahren leisten.

Rund 30 Wirkstoffe zeigten diesen Effekt, darunter die Statine. Die hemmende Wirkung verschiedener Statine bestätigten die Forscher in Versuchen an Mäusen. In Zukunft könnten Statine somit nicht nur bei Herzkreislaufpatienten, sondern auch bei Krebspatienten eingesetzt werden, vermuten die Forscher. "Beispielsweise könnten Personen mit einem stark erhöhten Krebsrisiko prophylaktisch damit behandelt werden", sagt Detmar. Sollten sich unbemerkt Tumore entwickeln, könnten die Statine frühzeitig die Bildung von Metastasen hemmen.

science.ORF.at/APA/sda

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