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Die Inselgruppe Santorin

Ein Vulkan holt tief Luft

Die Inselgruppe von Santorin im Mittelmeer zieht heute Touristen aus aller Welt an, eigentlich ist sie aber der sichtbare Teil eines riesigen Vulkans. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat er "tief Luft geholt" - sprich große Mengen Magma unter der Oberfläche angesammelt.

Santorin 10.09.2012

Vorzeichen für einen großen Ausbruch seien das aber keine, berichtet ein Team um die Vulkanologin Michelle M. Parks von der Universität Oxford in einer aktuellen Studie.

Die Studie:

"Evolution of Santorini Volcano dominated by episodic and rapid fluxes of melt from depth" von Michelle M. Parks und Kollegen ist am 9.9 in "Nature Geoscience" erschienen.

Untergang der minoischen Kultur

In den vergangenen 600.000 Jahren ist der Vulkan im Mittelmeer mehrfach ausgebrochen, vor 3.500 Jahren gab es die letzte gewaltige Eruption, die mitverantwortlich gemacht wird für den Untergang der minoischen Kultur.

Der Ausbruch hat zum heutigen Aussehen der Caldera geführt - einer kreisförmigen Ansammlung von Inseln, die einen früheren Vulkankrater darstellt. Santorin ist die Hauptinsel.

Seit damals ist der Vulkan immer wieder in kleinerem Maßstab ausgebrochen. In den 1950er Jahren ist der bis heute existierende Lavadom entstanden, im April dieses Jahres hat es erste Meldungen gegeben, dass der Vulkan wieder "erwacht ist".

Bis zu zwanzig Millionen Kubikmeter Magma

Sendungshinweis:

Vulkan in Nicaragua vor Ausbruch: ZIB 13, 9.9, 11 Uhr (Beitrag in der ORF TVthek).

Wie bei den meisten Vulkanen stammt die Lava der Eruptionen aus Magmakammern, die nur wenige Kilometer unter der Erdoberfläche liegen. Diese Kammern werden aus tiefer liegendem Magma gespeist - und zwar relativ langsam und stetig, wie man bisher angenommen hat. Parks und ihre Kollegen zeigen in ihrer Studie nun aber, dass die Versorgung mit dem tiefer liegenden Magma viel schneller und plötzlicher vor sich gehen kann als bisher gedacht.

Im Jänner 2011 bebte die Erde unterhalb von Santorin einige Male, die meisten Erschütterungen waren nur mit hochsensiblen Seismometern messbar. Infolge der Beben veränderte sich die Erdoberfläche leicht, wie die Forscher mit Hilfe von Satellitenbildern und GPS-Messungen beweisen konnten. Die Magmakammer unter dem Archipel hat sich offenbar "aufgeblasen".

Die Hebung Santorins seit 2011; der rote Punkt markiert die Stelle, unterhalb der sich die Magmakammer befindet

Michelle Parks

Die Hebung Santorins seit 2011; der rote Punkt markiert die Stelle, unterhalb der sich die Magmakammer befindet

Zehn bis zwanzig Millionen Kubikmeter Magma sind zwischen dem Beginn des Vorjahres und April 2012 aus dem Erdinneren eingeflossen - bis zu 15-mal das Volumen des neuen Olympiastadions in London, wie es in einer von den Olympischen Spielen noch enthusiasmierten Aussendung heißt - und haben die Erdoberfläche messbar verändert. Bis zu 14 Zentimeter ist die Inselgruppe in der Zeit gewachsen.

Kein Ausbruch zu befürchten

Als Zeichen für einen bevorstehenden größeren Ausbruch wie vor 3.500 Jahren sehen die Forscher diese Entwicklung nicht.

Dagegen spricht, dass die Frequenz leichter Erdbeben in den vergangenen Monaten sogar abgenommen hat. Auch dass die Menge der "aufgeblasenen" Magmareservoirs nur rund ein Tausendstel jenes Volumens ist, das in der minoischen Zeit ausgebrochen ist, spricht dagegen.

Dennoch, so heißt es in einem "Nature"-Begleitkommentar, sei die Geschwindigkeit, mit der sich die Magmakammer angefüllt hat, "auffallend ähnlich" wie jene in der Antike.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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