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Eine muslimische Mutter oder Lehrerin lernt mit einem Kind

Migrationshintergrund als Vorteil

Migrationshintergrund gilt hierzulande als eher nachteilig für eine Karriere. Dass das nicht so sein muss, zeigt eine Langzeitstudie aus den USA. Dort zählen Kinder, die nicht im Land geboren wurden, später zu den erfolgreichsten Erwachsenen.

US-Studie 17.09.2012

Schmelztiegel der Nationen

Schon immer kamen Menschen in die USA, um dort Karriere zu machen. Die Zeiten haben sich aber auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewandelt. Das einstige Einwanderungsland macht seine Grenzen zunehmend dicht, und in politischen Debatten tauchen Migranten mittlerweile - ähnlich wie in Europa - als Problem auf. Vor allem junge Migranten gelten im Vergleich zu den im Land geborenen Gleichaltrigen als schwächer, z.B. was ihre schulischen Leistungen betrifft. Laut Lingxin Hao von der Krieger School of Arts and Sciences der Johns Hopkins University sind heute trotz der langen Einwanderungstradition viele US-Amerikaner der Ansicht, dass Kinder von Immigranten in der Entwicklung hinterherhinken.

Die Studie in "Child Development":

"Distinct Trajectories in the Transition to Adulthood: Are Children of Immigrants Advantaged?" von Lingxin Hao et al.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 17.9., 13:55 Uhr.

Ob dies den Fakten entspricht, haben Hao und Han S. Wood in ihrer aktuellen Studie untersucht. Dafür haben sie die Lebenswege von annähernd 11.000 Kindern von ihrem 13. bzw. 17. Lebensjahr bis zum Alter von 25 bzw. 32 Jahren analysiert, die Daten stammen aus der National Longitudinal Study of Adolescent Health und der Adolescent Health and Academic Achievement study. Die dabei untersuchten Einwanderungsgruppen waren asiatischer und spanischer Abstammung. In den ersten Jahren wurden die Schulleistungen ausgewertet, im jungen Erwachsenenalter einerseits der Erfolg anhand des erreichten akademischen Grads, andererseits auch das psychische Wohlbefinden.

Beste Aussichten

Dabei zeigte sich erstaunlicherweise, dass jene, die erst als Kind ins Land gekommen waren, am besten abschnitten; im Vergleich zu Einheimischen mit ähnlichem sozioökonomischen Hintergrund waren sie deutlich weiter auf der Leistungs- und Karriereleiter nach oben geklettert. Kinder der zweiten Generation - also jene, deren Eltern bereits eingewandert sind - waren jenen, deren Familien seit Generationen im Land leben, zwar nicht ganz so deutlich, aber immer noch etwas überlegen.

Dafür, warum die Einwanderer den Übergang ins Erwachsenenleben so viel besser meistern, liefern die Forscher einige mögliche Erklärungen. Laut Hao, die selbst aus China kommt, gibt es unter den Migranten aus reiner Notwendigkeit einen besseren Zusammenhalt, Neuankömmlinge erhalten in den USA daher immer noch viel Unterstützung von Verwandten und Bekannten.

Aber auch andere schwer quantifizierbare Faktoren spielen ihrer Ansicht nach eine wichtige Rolle. So müssten etwa viele Eltern in dieser Bevölkerungsgruppe von unterschiedlichen, schlecht bezahlten Jobs leben. Sie tun alles, um ihrem Nachwuchs den Weg in ein besseres Leben zu ermöglichen. Auch gebe es in den USA immer noch viele Erfolgsgeschichten von Einwanderern, die "es geschafft" haben - diese seien Vorbild und Ansporn für die junge Generation.

Politischer Wille

Die Soziologieprofessorin hofft nun, dass auch Politiker einen Blick in ihre Studie werfen. Immerhin waren laut dem American Community Survey 2009 fast ein Viertel aller US-amerikanischen Kinder Migranten bzw. die Kinder von Migranten. Die Ergebnisse sind aus nationaler Sicht also durchaus positiv, immerhin ist so für ausreichend qualifizierten Nachwuchs gesorgt.

Dafür, dass das auch so bleibt, muss laut Hao aber auch politisch weiterhin der geeignete Boden bereitet werden, auf dem sich eingewanderte Minderheiten entsprechend entfalten können.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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