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Schwarzes Loch in der Spiralgalaxie NGC 300

Ein Schwarzes Loch zu viel

10.000 Lichtjahre von der Erde entfernt haben Astronomen zwei Schwarze Löcher entdeckt. Sie befinden sich in einem Kugelsternhaufen - eine Konstellation, die es laut Computersimulationen gar nicht geben dürfte.

Theorie wackelt 04.10.2012

Ursprünglich hatten Laura Chomiuk und ihre Kollegen erwartet, im Kugelsternhaufen Messier 22 ein Schwarzes Loch mittlerer Größe zu finden. "Wir haben nicht gefunden, wonach wir gesucht haben", sagt die Astronomin von der Michigan State University. "Stattdessen sind wir auf etwas sehr Überraschendes gestoßen: zwei kleine Schwarze Löcher."

Die Studie

"Two stellar-mass black holes in the globular cluster M22", Nature (doi: 1038/nature11490).

Sie dürften sich bereits vor rund 12 Milliarden Jahren gebildet haben - was laut Theorie ein Problem aufwirft: Simulationen zeigen nämlich, dass zwei Schwarze Löcher in einer Konstellation wie in Messier 22 miteinander in Wechselwirkung treten und ins Zentrum des Sternhaufens wandern. Dort sollten sie einen immer wilderen "Gravitationstanz" aufführen, der entweder beide oder zumindest eines der Schwarzen Löcher aus dem Sternhaufen katapultiert. Genug Zeit hätten die beiden gehabt - aber sie sind immer noch da.

"Es sollte nur einen Überlebenden geben", erläuterte Chomiuks Kollege Jay Strader. "Die Entdeckung von zwei Schwarzen Löchern verändert definitiv das Bild." Ganz trennen wollen sich die Astronomen von ihrer Theorie dennoch nicht. Möglicherweise hätten die beiden Löcher die Materiedichte im Zentrum des Sternhaufens herabgesetzt, schreiben die Forscher in einer Aussendung. Das könnte die Heftigkeit des Tanzes abgeschwächt haben - und damit auch den erwarteten Katapulteffekt.

Chomiuk und ihr Team gelang die Entdeckung mit Hilfe des Very Large Array (VLA) in New Mexiko. Die aus 27 Radioteleskopen bestehende Anlage ist auch aus Literatur und Film bekannt. In Carl Sagans Roman "Contact" spielt das VLA eine zentrale Rolle bei der Suche nach Außerirdischen. Auch die gleichnamige Hollywood-Verfilmung wurde teilweise auf dem Forschungsgelände gedreht. Signale von Außerirdischen sind für Chomiuk und Co. dennoch kein Thema. "Zukünftige Beobachtungen sollen nun klären, welches Schicksal Schwarze Löcher in Kugelsternhaufen erwartet."

Robert Czepel, science.ORF.at

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