Standort: science.ORF.at / Meldung: "Antike Synagoge in der Türkei entdeckt"

Siebenarmiger Leuchter

Antike Synagoge in der Türkei entdeckt

Österreichische Archäologen haben bei einer Grabung in der antiken Stadt Limyra an der Küste Lykiens in der Nähe von Antalya eine antike Synagoge entdeckt. Dabei handelt es sich um die erst vierte Synagoge Kleinasiens aus antiker bzw. byzantinischer Zeit.

Archäologie 16.10.2012

Wie der Leiter der Grabung des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI), Martin Seyer, am Dienstag mitteilte, wird sie auf das 6. bis 7. Jahrhundert nach Christus datiert.

Blühende Stadt

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Entdeckung berichtete auch "Wissen Aktuell" am 16. Oktober 2012 um 13.55 Uhr.

Die Ruinen der antiken Stadt Limyra liegen etwa sechs Kilometer nordöstlich der heutigen türkischen Stadt Finike. Die ältesten Funde reichen in das 8. Jahrhundert vor Christus zurück. Im 4. Jahrhundert vor Christus erlebte die Stadt eine Blütezeit unter dem lykischen Fürsten Perikle. Die Lykier waren ein Volk mit eigener Kultur, Schrift und Sprache mit ausgeprägtem Hang zum Bau repräsentativer Grabstätten.

Limyra ist neben Ephesos die zweite wissenschaftliche Grabung österreichischer Forscher in der Türkei. Die Ausgrabungen wurden 1969 begonnen, seit 2002 laufen sie als Projekt des ÖAI.

Absoluter Höhepunkt

Luftaufnahme der nun entdeckten Synagoge

ÖAI

Luftaufnahme der nun entdeckten Synagoge

Bei der diesjährigen Grabungssaison im August und September haben die Wissenschaftler die antike Synagoge sowie deren kostbare Ausstattung freigelegt. Seyer spricht "vom absoluten Höhepunkt in der archäologischen Erforschung der Stadt Limyra".

Erste Hinweise auf die Bedeutung des Gebäudes fanden sich bereits bei dessen Freilegung durch Funde zahlreicher Fragmente von Fensterglas sowie Wandverkleidung aus Marmor.

Leuchter und Wasserbecken

Siebenarmiger Leuchter

ÖAI

Siebenarmiger Leuchter

Als Synagoge identifiziert werden konnte der Bau durch zwei Reliefplatten mit Darstellungen von siebenarmigen Leuchtern (Menora) sowie ein Wasserbecken in der Nordost-Ecke des Gebäudes, welches als rituelles Tauchbecken (Mikwa) erkannt wurde. Der Fund des Tauchbeckens ist bisher das einzige Beispiel in einem antiken jüdischen Heiligtum im Gebiet der heutigen Türkei.

Eine mächtige Aschenschicht innerhalb der Synagoge deutet darauf hin, dass sie durch einen Brand zum Einsturz kam. Bisher konnte nur ein kleiner Teil der Synagoge freigelegt werden, für nächstes Jahr ist eine Fortsetzung der Grabungsarbeiten geplant. Parallel dazu soll mit der Konservierung des Baus begonnen werden, um Mauern sowie die kostbare Innenausstattung vor dem Verfall zu schützen.

science.ORF.at/APA

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