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Schädel eines Australopithecus afarensis

"Lucy" kletterte noch auf Bäume

"Lucy" und andere Vormenschen der Art Australopithecus afarensis kletterten wahrscheinlich noch durch Bäume wie ihre affenartigen Vorfahren. Darauf deutet eine Untersuchung der Schulterblätter eines vor zwölf Jahren gefundenen Exemplars hin.

Evolution 25.10.2012

Entscheidend für die Beurteilung der Armbewegung der Vormenschen sei die Ansatzstelle des Skelett-Teils an der Schulter, schreibt David Green von der Midwestern University im Fachblatt "Science". Leider werde dieser fragile Knochen nur sehr selten unbeschädigt aufgefunden.

"Das war der Jackpot"

Die Studie

"Australopithecus afarensis Scapular Ontogeny, Function, and the Role of Climbing in Human Evolution", Science (doi: 10.1126/science.1227123).

Zusammen mit Zeresenay Alemseged von der California Academy of Science untersuchte Green die intakten, ursprünglich noch von Gestein umgebenen Schulterblätter eines Australopithecus-afarensis-Kindes. Alemseged hatte es 2000 in Äthiopien gefunden und "Selam" getauft. "Das war wie ein Jackpot-Gewinn", beurteilt er rückblickend den Fund.

Bei dem 3,3 Millionen Jahre alten Exemplar deutete die Ansatzstelle des Schulterblattes nach oben - also so, wie bei heutigen Affen. Zudem sei der schräg abwärts verlaufende Grat in der Mitte des Schulterblatts affenähnlich. Beim heutigen Menschen ist dieser Grat waagerecht, die Ansatzstelle zur Schulter weist bei Kindern zunächst nach unten, später in seitliche Richtung.

Übergang vom Kletterer zum Läufer

Untersuchungen an heutigen Affen hatten den Forschern zufolge eine deutliche Verbindung zwischen der Anatomie des Schulterblatts und der Art gezeigt, wie das entsprechende Tier seine Arme benutzte. Der Vergleich mit anderen teilweise erhaltenen Skelett-Teilen von erwachsenen Fossilien zeigte zudem, dass die Orientierung des Schulterblatts sich nicht änderte.

All dies belege, dass "Selam" und "Lucy" zwar bereits auf zwei Beinen liefen, aber immer noch teilweise auf Bäume kletterten, schreiben die Forscher. "Diese Frage, wurde seit dreißig Jahren diskutiert", kommentierte David Green.

"Dieser neue Fund zeigt, dass diese Art eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung zum Menschen spielte", ergänzte Zeresenay Alemseged. "Sie gingen auf zwei Beinen wie Menschen und waren gleichzeitig fähige Kletterer. Australopithecus afarensis war nicht menschlich, aber er war eindeutig auf dem Weg dorthin."

science.ORF.at/dpa

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