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Eine Zecke in Großaufnahme

Neue Zeckenerkrankung entdeckt

Schweizer Mikrobiologen haben eine neue Erkrankung nachgewiesen, die durch Zeckenstiche übertragen wird. Die "Neoehrlichiose" verursacht hohes Fieber und allgemeines Unwohlsein - ist mit Antibiotika aber gut heilbar.

Medizin 31.10.2012

In der Schweiz, Österreich und anderen mitteleuropäischen Ländern sind vornehmlich zwei von Zecken übertragene Krankheiten bekannt: Die Borreliose, die von Bakterien verursacht wird, und die virale Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die eine schwere Gehirnentzündung auslösen kann.

Doch rund um die Jahrtausendwende sind in Europa auch erste Fälle von Ehrlichiose aufgetreten. Dabei handelt es sich um eine akute, fieberhafte Infektionskrankheit, die etwa ein bis zwei Wochen nach einem Zeckenbiss auftritt - ausgelöst durch die Übertragung einer bestimmten Bakterienart, den sogenannten Ehrlichien.

Die Studie:

"Close geographic association of human neoehrlichiosis and tick populations carrying Candidatus Neoehrlichia mikurensis in Eastern Switzerland" von Florian Maurer und Kollegen ist am 31.10. im "Journal of Clinical Microbiology" erschienen (sobald online).

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 31.10., 13:55 Uhr.

Erst acht Patienten in Europa

2010 tauchten dann weltweit erstmals Patienten auf, die nach Zeckenbissen an ähnlichen Symptomen litten - wiederkehrendes hohes Fieber von bis zu 40 Grad, Gewichtsverlust und Unwohlsein. Wie Tests zeigten, waren aber nicht die bekannten Ehrlichien die Verursacher.

Um die Herkunft der Krankheit zu klären, durchforsteten Guido Bloemberg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie (IMM) in Zürich und Kollegen nun das Blut der Patienten auf Erbgutspuren von möglichen Erregern und wurden fündig. Sie wiesen ein Bakterium namens Candidatus Neoehrlichia mikurensis nach, das aus der gleichen Familie wie die Ehrlichien stammt.

Das Bakterium war 1999 erstmals in Zecken und Nagetieren in Europa und Asien entdeckt worden. Bis heute sind in Europa insgesamt acht Patienten mit dem neuen Erkrankungsbild beschrieben, das "Neoehrlichiose" genannt wurde. Sie alle hatten dieselben Symptome und konnten durch eine Antibiotikatherapie vollständig geheilt werden.

Vermutlich auch in Österreich

In der Folge untersuchte Bloembergs Team rund 2.000 Zecken aus der Wohnumgebung von drei Schweizer Patienten, die sich häufig in Wäldern und Wiesen aufhielten. Sie fanden heraus, dass im Großraum Zürich fünf bis zehn Prozent der Zecken den Erreger in sich tragen, wie sie nun in einer Studie berichten.

Damit dürften die Neoehrlichien häufiger vorkommen als die bereits länger bekannten Ehrlichien, wie Bloemberg gegenüber science.ORF.at ausführte. "Und das dürfte auch für Österreich gelten. Wir sind gerade dabei, das auch für Österreich zu klären. In einem Monat werden erste Resultate vorliegen", sagte der Mikrobiologe.

Gut zu bekämpfen

Die Bevölkerung müsse sich aber nicht mehr Sorgen machen als vorher, sagte Bloemberg. Die Erkrankung sei für Gesunde vermutlich weniger gefährlich als FSME und sie ist mit Antibiotika leichter zu therapieren als Borreliose.

Fast alle der bis dahin in Europa erkrankten Personen hatten ein geschwächtes Abwehrsystem, erklären die Forscher. Allerdings erkrankten in China kürzlich auch zuvor gesunde Patienten nach einem Zeckenbiss an Neoehrlichiose. Ihre Symptome seien ähnlich gewesen wie die der immungeschwächten Patienten, erklärte Bloemberg.

Der Mikrobiologe denkt, dass es die Erkrankung schon länger, vielleicht seit zehn Jahren, in der Schweiz gibt. Doch es fehlte bisher ein Labortest, um sie nachzuweisen. Nun hat Bloembergs Team einen DNA-basierten Test entwickelt, der innerhalb nur eines Arbeitstages auch die kleinsten Erbgutschnipsel des Erregers mit hoher Präzision nachweist. Der Test könnte auch für größere Reihenuntersuchungen eingesetzt werden, sagt Bloemberg. Denn über das Bakterium ist noch wenig bekannt.

science.ORF.at/sda

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