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Frau mit änsgtlichem Gesichtssausdruck

Schweiß, der Angst macht

Angstschweiß riecht einer Studie zufolge tatsächlich nach Angst. Zumindest reagieren Frauen auf entsprechende Ausdünstungen von Männern mit einem ängstlichen Gesichtsausdruck.

Psychologie 06.11.2012

Die Mimik spiegelt bekanntlich die Gefühlslage. Nicht nur das: Wie Untersuchungen zeigen, macht uns ein ängstlicher Gesichtsausdruck auch körperlich alert. Die Atmung läuft vermehrt über die Nase, die Augenbewegungen nehmen zu und lassen uns rascher potenzielle Gefahrenquellen erspähen.

Die Studie:

"Chemosignals Communicate Human Emotions", Psychological Science (online 27.9.2012; doi: 10.1177/0956797612445317).

Ekel indes hat die umgekehrte Wirkung, Stichwort Gefahrenvermeidung: Zusammengekniffene Augenbrauen schränken das Sehfeld ein, die gerümpfte Nase vermeidet den Kontakt mit schädlichen Stoffen. Gün Semin von der Universität Utrecht hat sich nun die Frage gestellt, ob auch Gerüche diese Palette an Reaktionen auslösen können. Zu diesem Zweck entnahm er Schweißproben bei Männern, während diese, Zitat, "Angst oder Abscheu auslösende" Videos ansahen - beispielsweise Szenen aus dem Horrorklassiker "The Shining" sowie aus der Körpererkundungsserie "Jackass". Die dabei gewonnenen Samples legte er wiederum Frauen zur Begutachtung vor.

Damit die Feinheiten des Achselbouquets nicht durch äußere Effekte überlagert wurden, mussten die Spender zuvor auf Deos, Zigaretten und intensiv gewürzte Speisen verzichten. Der Akkuratheit des Versuchs hat es nicht geschadet, wie es scheint. Denn die Probandinnen reagierten auf den "Angstschweiß" tatsächlich mit ängstlicher Mimik, wie Semin im Fachblatt "Psychological Science" schreibt. Und der Konsum des "Ekelschweißes" erzeugte wiederum tendenziell angewiderte Gesichter.

Wichtige Einschränkung: Die mimische Reaktion hatte nichts damit zu tun, ob der Schweiß als solcher angenehm oder unangenehm roch. Semin zufolge unterschieden sich die Probandinnen der beiden Gruppen auch bei Seh- und Geruchstests. Und zwar genau so, wie es zu erwarten war: Angst macht alert, Ekel vermeidet Kontakte.

Robert Czepel, science.ORF.at

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