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Überreste der Maya-Kultur

Maya: Dürre führte zum Kollaps

Fast dreizehn Jahrhunderte lang blühte die Hochkultur der Maya, bis es zu ihrem Zusammenbruch kam. Fachleute diskutieren seit Jahrzehnten, was den plötzlichen Kollaps auslöste: Kriege, Hunger oder das Klima? Eine neue Studie spricht für letzteres: Anhaltende Trockenheit führte demnach zum Untergang - zumindest indirekt.

Klima 09.11.2012

Was führte zum Niedergang?

Rund um Christi Geburt entwickelte sich im Süden und Südosten Mexikos sowie in Teilen von Guatemala, Belize und Honduras die Hochkultur der Maya. In der Blütezeit gab es etwa 40 große Maya-Städte mit einer Einwohnerzahl von 5.000 bis 50.000 Menschen. Hochentwickelt waren sie in vielerlei Hinsicht: Sie verfügten über eine komplexe Schrift, besaßen astronomische sowie mathematische Kenntnisse und sind heute vor allem für ihren genauen Kalender bekannt, an dem manche den noch heuer bevorstehenden Weltuntergang ablesen wollen.

Auf Basis ihrer reichhaltigen Aufzeichnungen auf Monumenten und Gebäuden lässt sich die Entwicklung der Kultur relativ gut rekonstruieren, allerdings nur bis zum Ende der Blütezeit. Spätere Handschriften fielen fast vollständig den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert zum Opfer.

Die Studie in "Science":

"Development and Disintegration of Maya Political Systems in Response to Climate Change" von D.J. Kennett et al., erschienen am 9. November 2012.

In den Inschriften sind Kriege, Hochzeiten und Thronfolgen exakt kalendarisch festgehalten. Das Ende dieser in Stein gemeißelten Aufzeichnungen markiert auch das recht abrupte Ende der klassischen Periode und den Beginn des Niedergangs: Zwischen dem 8. und dem 10. Jahrhundert wurden viele Städte aufgegeben und die Bevölkerung ging drastisch zurück. Für diesen Kollaps gibt es heute mehrere Erklärungen: Lange Zeit vermutete man vor allem blutige Auseinandersetzungen, Invasionen und soziale Konflikte dahinter, auch Epidemien und Naturkatastrophen standen als mögliche Auslöser zur Diskussion.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch Wissen Aktuell am 9.11. um 13:55.

Erst in den letzten zwanzig Jahren mehren sich die Stimmen, dass eine Veränderung des Klimas die Triebfeder für den Untergang der Hochkultur gewesen sein könnte - ein Argument im Sinne des Zeitgeistes, angetrieben von der öffentlichen Debatte über den Klimawandel und seine möglichen Folgen, könnte man einwenden. Wie wichtig Umweltbedingungen für historische Veränderungen sein können, beschreibt unter anderem auch der bekannte US-amerikanischen Evolutionsbiologe, Physiologe und Geograf Jared Diamond in seinem 2005 erschienenen Buch "Kollaps". Was deren Rolle beim Niedergang der Maya-Kultur betrifft, häufen sich mittlerweile aber auch die empirischen Belege.

Klima und Kollaps

Schon 2003 zeigten Untersuchungen von Meeressedimenten eines Teams um Gerald Haug, dass zum Zeitpunkt des Niederganges ausgedehnte Dürreperioden in der Region auftraten. Im Jänner dieses Jahres wurde das Ergebnis von einer weiteren Studie bestätigt. Demnach gingen die jährliche Regenmengen in diesem Zeitraum um 40 Prozent zurück. Zu diesen Schlussfolgerungen gab es allerdings einige Einwände. Die paläoklimatischen Belege seien zu weit weg vom Kernland der Maya und die Ergebnisse zu allgemein, um einen kausalen Zusammenhang zwischen Klima und Kultur herzustellen.

Stalagmiten in einer Mexikanischen Höhle

D. Kennett, Penn State University

Stalagmiten in der Yok Balum Höhle.

Eine neue Studie versucht auch diese zu entkräften. Die Forscher um Douglas J. Kennett von der Pennsylvania State University, auch Haug war wieder mit im Team, haben dafür einen 56 Zentimeter großen Stalagmiten, eine aufwärts wachsende Tropfsteinsäule, aus der Yok Balum Höhle im südlichen Belize analysiert. Sie ist weniger als 200 Kilometer von einigen der wichtigen Maya-Zentren wie Tikal, Caracol und Calakmul entfernt. Auf Basis des radioaktiven Zerfalls von Uran-234 und Thorium-230 sowie der Untersuchung anderer Isotopen haben die Forscher einen sehr genauen paläoklimatischen "Kalender" erstellt, maximal 17 Jahre soll die Fehlertoleranz dabei betragen.

Umwelt und Politik hängen zusammen

Parallel erstellten die Forscher einen Kalender aller wichtigen verfügbaren Aufzeichnungen über die Stadtstaaten der Mayas und ihre Kriege und verglichen diese dann mit den Stalagmitendaten. Dabei zeigte sich, dass das Kernland der Maya in der feuchten Periode von 400 bis 640 n.Chr. besonders florierte, neue Städte und Dynastien entstanden. In den 340 Jahren danach wurde das Land immer trockener, gleichzeitig kam es zu immer häufigeren Kriegshändel, Herrscher begannen riesige Bauprojekte - vermutlich zur Demonstration ihrer Macht - und das Land wurde politisch zunehmend zerrüttet, was im 9. Jahrhundert in einem politischen Totalzusammenbruch gipfelte.

Danach folgte um 1000 n. Chr. die wohl trockenste Periode, welche den Maya laut den Forschern vermutlich den Rest gab. Die Bevölkerung ging drastisch zurück. "Wie es aussieht, war es ein Kollaps in zwei Stufen", so Kennett, zuerst zerbrachen die politischen Strukturen, dann schrumpfte bzw. verhungerte die Bevölkerung.

Die Korrelationen mit den historischen Vorgängen sprechen den Autoren zufolge für die entscheidende wiewohl indirekte Rolle der Dürreperioden. Diese beeinträchtigten die landwirtschaftliche Produktivität, was zu Auseinandersetzungen und Machtkämpfen zwischen den Stadtstaaten führte, Städte zerfielen oder schrumpften und die Herrscher verloren ihren Einfluss.

Dezentralisierung und Destabilisierung führten demnach zum eigentlichen Zusammenbruch. Zum Vergleich führten die Forscher zudem eine Analyse einer Dürreperiode im Mexiko des 16. Jahrhunderts durch. Diese stütze ihre These zusätzlich, denn sie führte ebenfalls zu Hunger, Tod und Abwanderung.

Ausreichend Belege?

So detailliert wurden die klimatischen Veränderungen während der Maya-Hochkultur vermutlich noch niemals nachgezeichnet, dennoch bleiben manche skeptisch, ob und wie sehr sie tatsächlich zum Untergang des Volkes beigetragen haben, wie man in einem begleitendem News-Artikel in derselben Ausgabe des "Science" nachlesen kann. Der Archäologe Arlen Chase von der University of Central Florida meint darin etwa, dass noch mehr klimatische Daten notwendig wären, diese Studie würde die mikroklimatischen Variationen unterschätzen.

Zudem zogen viele Maya just zur Zeit des Zusammenbruchs in weitaus trockenere Regionen nach Norden, wie Andrew Scherer von der Brown University, ebenfalls ein Archäologe, einwendet. Dass weniger Regen geringere Ernte bedeutet habe, sei nämlich keinesfalls bewiesen. Der hauptsächlich angebaute Mais brauche nur so wenig Wasser, dass selbst ein 40-prozentiger Rückgang der Niederschläge verkraftbar ist.

Es gibt aber auch Anerkennung, unter anderem für den interdisziplinären Ansatz, der klimatische Schwankungen in einen sozialen Kontext setzt. Laut dem Archäologen Jason Yaeger von der University of Texas werde es jedenfalls immer wahrscheinlicher, dass das Klima beim Aufstieg wie beim Niedergang der Maya eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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